Über Kulturgrenzen hinweg

Wie das Welterbe-Konzept der Verständigung und dem Frieden dient, erklärt der Generalsekretär der deutschen UNESCO-Kommission.

Weltkulturerbe Kölner Dom
Weltkulturerbe Kölner Dom sborisov/stock.adobe.com

Die 44 UNESCO-Welterbestätten in Deutschland sind ein Querschnitt der Geschichte des Landes. Für Roland Bernecker, Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission, hat das Weltkulturerbe noch eine viel wichtigere Bedeutung.

Welche Kriterien muss ein Bauwerk oder Ort für die Anerkennung als UNESCO-Welterbestätte erfüllen?

Erste Voraussetzung ist, dass der Staat, der den Vorschlag macht, die UNESCO-Welterbekonvention unterzeichnet hat. Das Welterbe-Konzept basiert auf einem internationalen Völkerrechtsvertrag. Das bedeutet eine hohe politische Verbindlichkeit. Neben zehn Kategorien für Kultur- und Naturerbestätten gibt es ein grundlegendes Kriterium für alle Welterbestätten: Es ist ihr außergewöhnlicher universeller Wert.

Was bedeutet die Ernennung für das Land?

Die Stätten werden zum Erbe der Menschheit erklärt und bekommen weltweit große Aufmerksamkeit. Das ist ein bedeutender Schritt. Kulturerbe hatte in der Vergangenheit oft eine exklusive Funktion für den nationalen Stolz. Beim Welterbe wird dieser Stolz mit dem Rest der Welt geteilt. Das ist ein Beitrag zur Verständigung über Kulturgrenzen hinweg.

Deutschland ist auf der UNESCO-Liste mit vielen Stätten vertreten. Was könnte noch dazu kommen?

Wir gehen in diesem Jahr mit drei Vorschlägen in die Beratungen des Welterbekomitees. Zwei davon sind grenzüberschreitende Kooperationsprojekte: Die „Montanregion Erzgebirge“ gemeinsam mit der Tschechischen Republik und die „Grenzen des Römischen Reiches“ gemeinsam mit Österreich. Zusätzlich steht das „Augsburger Wassermanagement-System“ auf der Agenda.

Welterbestätten dienen der Verständigung über Kulturgrenzen hinweg.

Roland Bernecker, Generalsekretär der deutschen UNESCO-Kommission

Der Begriff „Erbe“ ist mit Vergangenheit verknüpft. Was ist daran für junge Menschen interessant?

Welterbestätten helfen uns zu verstehen, wo wir herkommen. Der Blick junger Menschen auf das Erbe kann ein ganz neuer sein. Die Digitalisierung verändert stark die Wahrnehmung von Traditionen und gewachsener Substanz. In der Deutschen UNESCO-Kommission entwickelt im Moment eine Gruppe junger Menschen Perspektiven auf das Erbe, die zur Diskussion anregen werden. Darauf freuen wir uns!

Wie blicken Sie in die Zukunft?

Wir leben in einer Zeit, in der die Bereitschaft zu multilateraler Zusammenarbeit abnimmt. Das UNESCO-Welterbe ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass die Kooperation von mehr als 190 Staaten im Forum der Vereinten Nationen etwas schafft, was kein Staat alleine erreichen kann: tragfähige Konzepte für eine friedliche und nachhaltige Entwicklung.

Interview: Sabine Buchwald

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