„Together first“

Im Oktober startet das Deutschlandjahr in den USA. In Berlin gab es einen ersten Einblick in das Programm – mit „WanderbUS“, PopUp-Instituten und prominenten Gästen.

„Wunderbar together“ – das Motto des Deutschlandjahrs in den USA
„Wunderbar together“ – das Motto des Deutschlandjahrs in den USA dpa

Ein mittelgroßes Zelt – solide, aber mobil. Ein bunter Schriftzug über dem Eingang, das Äußere sonst in seriösem Grau gehalten. Innen eine kleine Bühne, dezente Beleuchtung, an den Wänden großformatige historische Schwarzweißfotografien. Wer eintritt, spürt: Hier geht es um Substanzielles, aber in einer irgendwie angenehmen, nicht zu ernsten Art.

Die Location ist das erste starke Statement für das Programm zum Deutschlandjahr in den USA unter dem Motto „Wunderbar together“: ein Kulturzelt, errichtet für zwei Tage, mitten auf dem Potsdamer Platz in Berlin. Es war der Mittelpunkt einer Reihe von Veranstaltungen, die das Konzept des anspruchsvollen Projekts vorstellten. Das Auswärtige Amt richtet das Deutschlandjahr gemeinsam mit dem Goethe-Institut und dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) aus.

Wie wir aus aktuellen Studien wissen, wird Deutschland in den USA positiv wahrgenommen.

Emily Haber, deutsche Botschafterin in den USA

Es ist die interessante Mischung aus Flexibilität, Volksnähe und Seriosität, im Zelt bereits für die Besucherinnen und Besucher spürbar, in der sich die Kernbotschaft bündelt. Eines der wichtigsten Ziele des Deutschlandjahrs in den USA sei es, mit den Menschen im ganzen Land in Kontakt zu treten, nicht nur in den großen Metropolen, sondern auch im sogenannten Heartland, den ländlichen Gegenden im Zentrum der USA, betonte die deutsche Botschafterin in Washington, Emily Haber. Dazu müsse man flexibel sein – und eben auch volksnah. „Die Veranstaltungen sollen auch Spaß machen.“

Deutsch-amerikanischer Dialog trotz Spannungen

Das bedeutet keinesfalls, die aktuellen Spannungen in den transatlantischen Beziehungen zu negieren, wie das Motto des Deutschlandjahrs „Wunderbar together“ suggerieren könnte. Doch hätten Differenzen auf politischer Ebene weniger Einfluss auf die Zivilgesellschaft als viele denken, sagte Haber: „Wie wir aus aktuellen Studien wissen, wird Deutschland in den USA nach wie vor und sogar in wachsendem Umfang positiv wahrgenommen – als Wirtschaftsstandort, als Technologiestandort, als modernes, tolerantes, offenes Land.“

1.000 Veranstaltungen beim Deutschlandjahr in den USA

Die beiden Zivilgesellschaften sollen ins Gespräch kommen und an die lange Tradition des gemeinsamen Dialogs anknüpfen, gerade angesichts aktueller politischer Spannungen. Dafür hat das für die Programmplanung verantwortliche Goethe-Institut zusammen mit 300 Projektpartnern über 1.000 Veranstaltungen erarbeitet. Darunter etwa vier PopUp-Institute, die das Goethe-Institut in den Städten Minneapolis, Houston, Kansas City und Seattle in leerstehenden Gebäuden und Läden eröffnen will. „Wir wollen improvisieren“, erklärt Christoph Mücher, der das Deutschlandjahr für das Goethe-Institut in den USA koordiniert. „Uns fasziniert die Frage, was man in diesen Städten machen kann, wenn man mit nichts kommt als einem positiven Gefühl, ein bisschen Geld und Enthusiasmus.“ Um möglichst flächendeckend präsent zu sein, fährt ein sogenannter „WanderbUS“ rund 60 Städte im ganzen Land an, und das Programm „Meet-A-German“ der Fulbright Kommission bringt junge deutsche „Botschafter“ an Schulen in allen 50 Bundesstaaten.

Science Slams für Wirtschaft und Wissenschaft

Mit Projekten vertreten sind auch das Berliner Haus der Kulturen der Welt, das in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte Berlin die Geschichte und Bedeutung des Mississippi erforscht. Der BDI, der das Deutschlandjahr als Partner unterstützt, beteiligt sich mit einer PopUp-Tour namens „Straight to Heart(land)“, in dessen Rahmen deutsche Unternehmen Gelegenheit bekommen, sich zu präsentieren. Als Veranstaltungsort dient das Kulturzelt. „Wir würden uns freuen, mit Formaten wie Science Slams auch jüngere Menschen zu erreichen, besonders in wirtschaftlich wichtigen Städten, die zwischen den Küsten liegen“, so Stefan Mair, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des BDI. Geplant sind unter anderem Stationen in Atlanta, St. Louis oder Indianapolis.

Unabhängiger zu werden heißt nicht, sich abzuwenden. Wir teilen immer noch viele Werte miteinander.

Dieter Kempf, BDI-Präsident

Wie eng die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen den USA und Deutschland sind und was dies für die Zukunft des transatlantischen Verhältnisses bedeutet, brachte BDI-Präsident Dieter Kempf bei der Podiumsdiskussion „Deutschland und die USA – fremde Freunde?“ auf den Punkt: „Das größte Automobilunternehmen mit dem größten Exportanteil in den USA trägt den Namen BMW.“ Die USA seien seit drei Jahren der wichtigste Absatzmarkt für deutsche Produkte, für die USA wiederum sei Deutschland der sechstwichtigste Exportmarkt. Die Forderung nach einer größeren wirtschaftlichen Unabhängigkeit Deutschlands und Europas von den USA findet Kempf zwar richtig, aber: „Unabhängiger werden soll nicht heißen, sich abzuwenden. Wir teilen eben immer noch eine große Anzahl von Werten miteinander.“

re:publica tourt mit digitaler Roadshow durch die USA

Wie sehr die Länder auf dieser Basis voneinander profitieren können, berichtete unter anderem Melissa Eddy, Berlin-Korrespondentin der New York Times. „Viele Amerikaner finden die früher oft belächelte deutsche Zurückhaltung, zum Beispiel bei der Nutzung neuer Technologien, inzwischen gar nicht mehr so abwegig“, so Eddy. Das bestätigt der Journalist Markus Beckedahl, Gründer der Konferenz re:publica, die sich mit einer „digitalen Roadshow“ in Los Angeles, Austin, New York, Portland und Detroit beteiligt: „Es gibt in der US-Öffentlichkeit einen zunehmenden Respekt für die deutsche oder europäische Perspektive auf Themen wie Meinungsfreiheit und Datenschutz.“

„Es ist höchste Zeit, unsere Partnerschaft neu zu vermessen – nicht um sie hinter uns zu lassen, sondern um sie zu bewahren“, so Außenminister Heiko Maas. Er twitterte: „Das Motto ‚Wunderbar together‘ ist auch ein Ziel. Man könnte auch sagen: ‚together first‘.“

Hier geht es zur Website Wunderbar together

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