Ein bewegender Moment

Ein langer Weg zur Ehe für alle: Zwei Frauen erzählen, was es für sie bedeutet, endlich alle Rechte eines Ehepaars zu haben.

Ehe für alle: Marion und Undine Maria Eggers warteten 17 Jahre auf diesen Moment.
Marion und Undine Maria Eggers warteten 17 Jahre auf diesen Moment.

Deutschland. Der erste Kuss als frischgetrautes Paar im prachtvollen Hamburger Rathaussaal war ein bewegender Moment für Marion Eggers und ihre Frau Undine Maria. Bereits zum dritten Mal gaben sie sich das Ja-Wort. „Dreimal heiraten, dreimal dieselbe Frau, und es fühlt sich jedes Mal anders an“, sagt die 57-jährige Yoga-Lehrerin Marion. Schließlich war jedes „Ja“ ein weiterer Schritt auf dem sehr langen Weg zur gesetzlichen Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Paaren in Deutschland.

Drei Etappen zur Ehe für alle

Den ersten Schritt gingen die beiden Frauen im Jahr 2000. Sie nutzten die damals neue Möglichkeit der „Hamburger Ehe“: Gleichgeschlechtliche Paare konnten sich in ein Partnerschaftsbuch auf dem Standesamt eintragen. Das hatte zwar keine rechtliche, aber große emotionale und symbolische Bedeutung. 2001 folgte die „Eingetragene Lebenspartnerschaft“ mit vielen Pflichten, aber wenig Rechten. „Homo-Ehe“ nannte sich dieser „Sonderfall“. Umso triumphaler und beglückender ist für Marion und Undine Maria Eggers nun dieses dritte „Ja“. Denn seit dem 1. Oktober 2017 gilt: Ehe ist gleich Ehe.

Das Recht auf Spießigkeit

Dass der Gesetzgeber endlich keine Ausnahmen mehr macht, dafür hatte am 30. Juni die Mehrheit der Bundestagsabgeordneten gestimmt. Jetzt steht in Paragraf 1353 des Bürgerlichen Gesetzbuches: „Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen.“

Noch tun sich nicht nur Traditionalisten schwer mit der Entscheidung. So wundert sich die Autorin Silke Burmester in der Süddeutschen Zeitung, dass ausgerechnet jene vermeintlich antibürgerliche Gruppe jetzt den freien Zugang zur Institution der Ehe bejubelt. Aber, fragt die Kolumnistin: „Warum sollten Homosexuelle weniger angepasst sein als Heterosexuelle?“ Zumal man ja erstmal einen rechtlichen Anspruch auf die Ehe haben muss, um sie als „spießig“ ablehnen zu können. Oder sie als Chance zu nutzen, auch vor dem Staat miteinander verbunden zu sein. Mit allen Pflichten und Rechten – auch mit dem Recht, Kinder zu adoptieren.

Partnerlook zur Trauung

Auch deshalb trugen Marion und Undine Marie Eggers gleiche Kleidung bei der Trauung. „Wir wollten es anders machen als beim ersten Mal, als wir wechselseitig gekleidet waren, die eine in dunkler Hose und weißer Bluse, die andere in weißer Hose und dunkler Bluse. Diesmal wollten wir nochmals ein Signal senden.“ Das Signal, dass nur die Liebe zählt, der Wunsch, gemeinsam alt zu werden und füreinander Verantwortung zu tragen. Jetzt auch von Staats wegen.

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