Wie Familien in Deutschland leben

Warum viele Deutsche erst spät Eltern werden und wie Familien vom Staat unterstützt werden. 

Familien in Deutschland
dpa

Deutschland. Ein Ehepaar mit einem oder zwei Kindern – das ist die deutsche Durchschnittsfamilie. Aber die Familienmodelle werden vielfältiger: Es gibt einen hohen Anteil alleinerziehender Eltern, Patchwork-Familien mit Kindern aus früheren Partnerschaften der Elternteile und Regenbogenfamilien mit gleichgeschlechtlichen Paaren. Großfamilien mit mehreren Generationen unter einem Dach sind dagegen selten geworden.

Späte Familiengründung

Vor allem viele junge Akademiker schieben die Familiengründung lange auf – erst möchten sie ihr Studium absolvieren und dann im Beruf durchstarten. Deshalb sind Mütter bei der Geburt des ersten Kindes im Durchschnitt schon knapp 30 und Väter 35 Jahre alt. Auch das ist ein Grund für die niedrige Kinderzahl pro Familie.

So fördert der Staat Familien

Deutschland braucht mehr Kinder, denn nach Japan ist es das Land mit der ältesten Bevölkerung. Die Geburtenrate ist mit 1,5 Kindern pro Frau auf dem Höchststand seit der Wiedervereinigung, liegt aber immer noch unter dem EU-Durchschnitt von 1,58.

Deshalb gibt es eine Vielzahl staatlicher Hilfen zur Förderung von Familien. Die wichtigsten sind Kindergeld, Elterngeld, Steuervergünstigungen sowie Zuschüsse für Schwangere und Familien, deren Einkommen nicht reicht, um die Grundbedürfnisse ihrer Kinder zu erfüllen. Hinzu kommt gebührenfreie Schulbildung.

Trotzdem gehören Alleinerziehende zu den Bevölkerungsgruppen mit dem höchsten Armutsrisiko, wenn der andere Elternteil sich weigert, Unterhalt für sein Kind zu zahlen.

Quick facts
8,1
Millionen

Familien haben Kinder unter 18 Jahren.

13
Millionen

Kinder gibt es derzeit in Deutschland.

20
Prozent

beträgt der Anteil der Alleinerziehenden.

35
Prozent

der Kinder haben unverheiratete Eltern.

1,5
Kinder pro Frau

Deutschlands höchste Geburtenrate seit der Wiedervereinigung.

30
Jahre

beträgt das Durchschnittsalter von Frauen bei der Geburt des ersten Kindes.

35
Jahre

beträgt das Durchschnittsalter von Männern bei der Geburt des ersten Kindes.

25
Prozent

der Kinder in Deutschland sind Einzelkinder.

70
Prozent

der Mütter sind erwerbstätig.

33
Prozent

der Kinder unter drei Jahren werden in Kindergärten betreut.

Eltern zwischen Familie und Job

Kinder oder Karriere? Frauen und Männer sollen es leichter haben, beides miteinander zu vereinbaren. Seit 2013 gilt für jedes Kind ab dem ersten Lebensjahr ein Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz. Die Bundesländer haben stark in den Ausbau von Betreuungsangeboten für Kleinkinder und Schulkinder investiert.

Seit 2007 können Mütter und Väter eine bezahlte Auszeit vom Beruf nehmen. Für insgesamt 14 Monate zahlt der Staat Elterngeld in Höhe von 65 Prozent des Nettoeinkommens.

Rollenbilder

Der Vater verdient das Geld, die Mutter ist zuhause bei den Kindern – dieses Rollenmuster gilt als überholt, ist aber durchaus noch anzutreffen. Zwar gehen 70 Prozent der Mütter arbeiten, allerdings 40 Prozent nur in Teilzeit. Es zeichnet sich ein Wandel ab: Die junge Vätergeneration möchte mehr Zeit mit den Kindern verbringen und sich stärker an der Erziehung zu beteiligen. Derzeit nimmt jeder dritte Vater immerhin zwei bis drei Monate Elternzeit.

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