Ein besonderer ESC

Auch der Eurovision Song Contest steht 2022 im Zeichen des Ukraine-Kriegs. Für Deutschland tritt der 24-jährige Malik Harris an.

Der deutsche Kandidat Malik Harris
Der deutsche Kandidat Malik Harris picture alliance/dpa

Von leisen Balladen bis zu lauten Rocksongs, vom Soloauftritt mit Gitarre bis zu pompösen Bühnenshows: Beim Eurovision Song Contest (ESC) treten die unterschiedlichsten Künstlerinnen und Künstler für ihre Länder an und begeistern so jedes Jahr Millionen Menschen. Weltweit erreichte der größte Musikwettbewerb Europas im Jahr 2021 mehr als 180 Millionen TV-Zuschauerinnen und -Zuschauer. In Deutschland schalteten fast acht Millionen Menschen ein, so viele wie nirgendwo sonst.

Das weltweite Interesse dürfte auch beim diesjährigen ESC-Finale am 14. Mai im italienischen Turin ungebrochen sein – und doch wird die Show anders als sonst sein. Denn der Krieg in der Ukraine prägt auch den 66. Eurovision Song Contest. Nach dem Einmarsch russischer Truppen in das Nachbarland schloss die Europäische Rundfunkunion EBU Russland nur einen Tag später am 25. Februar von dem Wettbewerb aus. 40 Länder nehmen am ESC teil, für Deutschland tritt der 24-jährige Malik Harris mit dem Popsong „Rockstars“ an.

Malik Harris
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Der ESC und der Krieg gegen die Ukraine

40 Jahre ist es her, dass die deutsche Schlagersängerin Nicole mit „Ein bisschen Frieden“ den ESC gewann. Das Lied der damals 17-Jährigen könnte heute kaum aktueller sein. 2022 ist der Song „Stefania“ der ukrainischen Band Kalush Orchestra unweigerlich mit dem Krieg in der Heimat der Sänger verbunden. Bandgründer Oleh Psiuk sagte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ dazu: „Das Lied wurde lange vor dem Krieg geschrieben. Viele können sich mit dem Text identifizieren, aber es handelt definitiv und nur von meiner Mutter. Nach dem Einmarsch der Russen haben viele Menschen angefangen, einen zusätzlichen Sinn darin zu suchen. Zum Beispiel die, die traurig sind, dass sie ihre Mutter gerade nicht sehen können. Deswegen ist das Lied jetzt in den Herzen und den Ohren der Ukrainer.“ Kalush Orchestra gelten als Mitfavoriten beim diesjährigen ESC: Musikalisch mischen sie in ihrem Song traditionelle ukrainische Folklore mit modernen Elementen wie Rap und Pop.

Kalush Orchestra starten für die Ukraine.
Kalush Orchestra starten für die Ukraine. picture alliance/dpa

Deutschland mit Malik Harris und „Rockstars“ am Start

Der deutsch-amerikanische Popsänger, Rapper und Songwriter setzte sich im deutschen ESC-Vorentscheid „Germany 12 Points“ durch. Der 24-Jährige stammt aus Landsberg am Lech in Bayern, wo er auch lebt. Bekannt machte ihn unter anderem der Song „Faith“, der auch als Black-Lives-Matter-Hymne gilt. Über seinen Auftritt für Deutschland beim ESC sagte er der Deutschen Presse Agentur: „Ich fühle mich ultra-geehrt, dass ich ausgewählt wurde.“ In seinem Song gehe es um „die Kindheit und Jugend, als wir alle noch so kleine Rockstars waren, die sich über nichts Gedanken gemacht haben, die sehr unbekümmert und unbeschwert durchs Leben gegangen sind“. Im vergangenen Jahr habe er die Erkenntnis gehabt, „dass man diese Unbeschwertheit der Jugend so ein bisschen verloren hat und dass wir das alle tun, wenn wir älter werden.“ Als Favorit gilt Malik zwar nicht, aber Überraschungen gab es immer wieder beim ESC.