„Mut bedeutet, sich auf Ungewissheit einzulassen“
Als in der Ukraine der Krieg begann, wurde Nina Levchuk über Nacht zur Organisatorin humanitärer Hilfe. Was ihr Hoffnung macht – und warum sie nicht an Idole glaubt.
Mut ist ein Muskel, der trainiert werden will. Wir stellen Mutmacherinnen und Mutmacher vor: Menschen, die kraftvoll vorangehen – für den Klimaschutz, politische Bildung, internationale Verständigung oder den Schutz von Geflüchteten.
Als der Krieg in ihrem Heimatland begann, lebte Nina Levchuk bereits in Berlin. Die Ukrainerin arbeitet von dort aus für Google. Sie holte ihre Familie aus dem Kriegsgebiet nach Deutschland – und weil noch so viel mehr Menschen dringend Zuflucht suchten, gründete sie die Initiative United for Ukraine. Dank ihrer Kontakte in der Tech-Branche konnte sie innerhalb kurzer Zeit eine Website mit Informationen zu Unterkünften in verschiedenen europäischen Ländern aufbauen. Sie gewann die Vermietungsplattform Airbnb als Partner und unterstützte Tausende Menschen dabei, sicher unterzukommen. Wir haben mit ihr über Mut gesprochen.
Was bedeutet Mut für Sie?
Mut bedeutet, auch mal den unbequemen Weg zu wählen, wenn es einem höheren Zweck dient – neu anzufangen, sich auf Ungewissheit einzulassen und daran zu glauben, dass Veränderung möglich ist. Es geht um Disziplin und Achtsamkeit: jeden Tag mit einem Ziel vor Augen aufzuwachen, gedanklich und seelisch zu wachsen und etwas zurückzugeben.
Hoffnung geben mir Menschen, die auch in Krisenzeiten etwas aufbauen und voranschreiten.
Was gibt Ihnen Hoffnung?
Es stimmt mich hoffnungsfroh, wenn Menschen aus verschiedenen Ländern mit unterschiedlichem Hintergrund gemeinsame Werte finden und sich gegenseitig unterstützen. Diese Überzeugung hat mich auch bei der Gründung von „United for Ukraine“ geleitet. Technologie, also zum Beispiel unsere Website, kann Hilfe für Geflüchtete effektiver machen, und das will ich nutzen. Aber neben der Technologie braucht es Menschen, die in Krisenzeiten etwas aufbauen und voranschreiten. Sie geben mir Hoffnung.
Wer inspiriert Sie?
Ich glaube nicht an Idole – sondern daran, dass jeder Mensch seinen eigenen, einzigartigen Weg hat. Mich inspirieren meine Familie und die Menschen, mit denen ich täglich zusammenarbeite und deren Integrität, Belastbarkeit und Engagement mich prägen. Außerdem inspiriert mich Großzügigkeit – Menschen, die ihren Erfolg nutzen, um andere zu fördern.