Was den deutschen Wein ausmacht

US-Weinjournalist David Schildknecht sieht im deutschen Wein ein kulinarisches Welterbe.

Robert Parker - David Schildknecht

Der US-amerikanische Weinjournalist war selbst Importeur, heute schreibt er für das von Robert Parker herausgegebene Magazin „The Wine Advocate“. In Deutschland und Österreich kennt er sich besonders gut aus.

Ist Deutschland aus Ihrer Sicht heute eine Weinnation? Wenn ja, wann ist es dazu geworden?

Als Student in Bonn hätte ich die Jahrhundertweine 1971 vom Fass kosten können – was einen zehnjährigen Vorsprung meiner Weinkarriere sowie das Ende einer ohnehin kurzen Akademikerlaufbahn bedeutet hätte. Doch kein Deutscher empfahl mir das. Erst später verliebte ich mich in den Riesling. Dessen eifrigste Verteidiger waren damals Engländer und Amerikaner wie die Weinkritiker Johnson und Pigott, Importeure wie Theise und Wiest. Seit den 1990er-Jahren erkennen auch die Deutschen ihre Weine nicht nur als salonfähig an, sondern als hip, nicht nur als geschichtliches Zeugnis, sondern als toll schmeckendes Welterbe.

Im Ausland herrscht immer noch der Eindruck vor, „Riesling“ sei gleichbedeutend mit „süß“. Wie ist es um das Wissen über deutschen Wein und um dessen Ruf international bestellt?

Diese Erwartung eines süßen Weins ist langsam, aber stetig zurückgegangen. Der internationale Ruf des deutschen Weins hat sich immer weiter verbessert, sein Ansehen ist heute hoch.

Sie haben ein Faible für Weine von der Saar. Was macht die Tropfen von dort besonders?

Mir gefällt, dass die Saarwinzer die Vielfalt, die 
unter ihnen herrscht, nicht verleugnen. Kein Geschmacksprofil macht das Wesen eines Saar-Rieslings aus, sondern das Terroir.

Welche anderen deutschen Anbaugebiete finden Sie außerdem bemerkenswert ?

Welches nicht? Fast alle sind heute sehr angesagt.