Fahren im Schweizer Takt

deutschland.de fragt nach, wie die Mobilität von morgen aussieht: Ob Bus, ob Bahn – in der Schweiz sind alle Fahrpläne aufeinander abgestimmt.

Durch Täler und durch Berge, aber immer im Takt: die Schweizer Bahn
Durch Täler und durch Berge, aber immer im Takt: die Schweizer Bahn picture alliance / Arco Images

Kürzlich musste ich von Genf zu einem Interview in Niederönz reisen, einer 1.500-Seelen-Gemeinde im Kanton Bern. Meine Verbindung: Um 8 Uhr ab Genf, 9:56 Ankunft in Bern – um 10:06 auf dem Gleis gegenüber nach Herzogenbuchsee, Ankunft 10:34. Um 10:38 fährt der Bus nach Niederönz, Ankunft 10:40. Fahre ich um 9 Uhr, komme ich um 11:40 an und so weiter. Das ist der Schweizer Takt: Züge, Bahnen, Busse, sogar Schiffe fahren aufeinander abgestimmt fast überall im 30-, mindestens aber im 60-Minuten-Rhythmus – zwischen Zürich und Bern kommt bald sogar alle Viertelstunde ein Zug.

Autofahrer gelten fast als wunderlich

Die festen Zeiten, verlässlichen Anschlüsse und hohen Frequenzen machen es den Schweizerinnen und Schweizern leicht, Zug zu fahren. Täglich nutzen 1,25 Millionen Reisende die Bahn, fast jeder sechste Schweizer. Ganz ehrlich: Wer die Schweiz mit dem Auto durchquert, gilt schon als wunderlich. Genauso hatten die Schweizer Fahrplanmacher es sich gedacht, als sie 1982 den Taktfahrplan einführten. Bis dahin mussten Bahnfahrer auch in der Schweiz noch tausendseitige Kursbücher auf Dünndruckpapier wälzen, um ihre Verbindung zu recherchieren. Auf einmal nahm man schlicht den Zug um neun. Oder eben um zehn. Oder um elf. Das Modell, für das die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) über Nacht 20 Prozent mehr Verbindungen anboten, wurde ein solcher Hit, dass es sich mittlerweile bis ins letzte Kaff ausgebreitet hat - sorry, Niederönz.

Es ist schwer, den Fahrplan zu machen

Der Takt ist mittlerweile so selbstverständlich, dass vor drei Jahren bloße Überlegungen der SBB, den Takt in Randzeiten zu beschneiden, zu einem Aufstand führten. „Ohne Taktfahrplan fallen wir in die Steinzeit zurück“, warnte die Fahrgastorganisation Pro Bahn. Der Takt blieb. Dabei ist es extrem schwierig, den Fahrplan mit den garantierten Übergängen an den Knotenbahnhöfen zu gestalten und dann auch noch zu garantieren. Wenn sich im Taktfahrplan auch nur ein Zug verspätet, fällt die minutiöse Planung in sich zusammen wie ein Kartenhaus. Deshalb müssen die SBB genügend Ersatzzüge vorhalten – und die nötige Luft für Unvorhergesehenes in den Fahrplänen. Das klappt so gut, dass in der Schweiz seit 2016 selbst Güterzüge im Takt fahren.

Kompliziert wird es, wenn Züge aus dem Ausland kommen

Eng wird es vor allem dann, wenn Züge aus dem Ausland eingetaktet werden. Kommt ein ICE aus Deutschland erst mit großer Verspätung an, nützt der beste Schweiz-Takt nichts. Umso mehr wird in der Schweiz gefeiert, dass auch die Deutsche Bahn künftig mit mehr Takt fahren will. Wenn dann alle halbe Stunde ein ICE aus Mannheim in Basel ankommt, werden die Schweizer Züge schon warten –  abfahrbereit.

Was wir lernen?

Der Taktfahrplan ist das Beste, was einer Bahn passieren kann. Das weiß man seit Jahren auch in Deutschland. Nun soll er 2030 eingeführt werden. Dafür braucht es aber mehr Züge und auch mehr Strecken.

 

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