Können Zoos bedrohte Arten retten?
Zoos stehen seit Jahren in der Kritik. Zoo-Direktor Theo Pagel erklärt, wie sich ihre Aufgaben verändert haben und welchen Beitrag sie heute zum Erhalt bedrohter Tierarten leisten.
Professor Pagel, welche Rolle spielen moderne Zoos heute für den Schutz bedrohter Tierarten?
Wissenschaftlich geführte Zoos sind heute ein wichtiger Bestandteil des internationalen Artenschutzes. Während Artenschutz bei der Gründung des Kölner Zoos 1860 kaum eine Rolle spielte, gehören heute Artenschutz, Forschung und Bildung zu unseren zentralen Aufgaben.
Welche konkreten Erfolge konnten durch Erhaltungszucht und Auswilderung erzielt werden?
Es gibt viele Beispiele. Przewalski-Pferde und Goldgelbe Löwenäffchen wurden wieder in die Wildnis zurückgeführt, auch mit Tieren aus dem Kölner Zoo. Ein besonderer Fall ist für mich der Kalifornische Kondor. Alle dort lebenden Tiere wurden Ende der 80er Jahre eingefangen und im Zoo von San Diego vermehrt. Als ich 25 Jahre später zum Grand Canyon gereist bin, konnte ich dort wieder frei fliegende Kondore sehen. Das zeigt: Solche Programme sind zwar sehr aufwändig – können aber funktionieren.
Welche Rolle spielen deutsche Zoos im internationalen Artenschutz?
Wissenschaftlich geführte Zoos in Deutschland sind eng in internationale Artenschutzprogramme eingebunden. Sie koordinieren Erhaltungszuchtprogramme, bringen ihre wissenschaftliche Expertise ein und arbeiten mit anderen Zoos, Forschungseinrichtungen und Naturschutzorganisationen weltweit zusammen. So tragen sie auch dazu bei, bedrohte Tierarten und ihre genetische Vielfalt langfristig zu erhalten.
Aber es geht in Zoos nicht nur um Artenschutz…
Nein, wir halten beispielswiese auch Zwergziegen und verschiedene Entenvögel, die sind überhaupt nicht bedroht. Wir sind eine Begegnungsstätte für den Kontakt zwischen Menschen und Tieren. Das ist gerade in urbanen Räumen wichtig. Wir wollen die Menschen mit unseren Tieren begeistern, für den Erhalt der Biodiversität und Natur. Für viele Arten werden wir sie nur noch erhalten können, wenn Naturschutzorganisationen, Staaten, Forschungseinrichtungen und Zoos zusammenarbeiten.
Zoos stehen seit Jahren in der Kritik. Was entgegnen Sie den Kritikern?
Berechtigte Kritik nehmen wir ernst, Zoos entwickeln sich ständig weiter. Im alten Elefantenhaus des Kölner Zoos halten wir etwa längst keine Elefanten mehr, weil das heutigen Erkenntnissen nicht entsprechen würde. Stattdessen leben sie in einer modernen Anlage im Matriarchat, so wie in der Wildnis. Schwieriger wird es, wenn Kritik ideologisch ist und Tierhaltung grundsätzlich ablehnt.
Der Zoologe Theo Pagel ist Direktor des Kölner Zoos und war Präsident der World Association of Zoos and Aquariums. Sein Schwerpunkt liegt auf internationalem Artenschutz und Erhaltungszuchtprogrammen.