Premiere für Drei-Parteien-Bündnis

Deutschland bekommt erstmals eine Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP – ein Zeichen für eine veränderte Parteienlandschaft. 

Neue Mehrheitsverhältnisse im Bundestag
Neue Mehrheitsverhältnisse im Bundestag pa/dpa

In Deutschland sind Koalitionsregierungen zwar die Regel – doch in der Vergangenheit bestanden die Bundesregierungen meist nur aus zwei Partnern. Künftig wollen SPD, Grüne und FDP ein Dreier-Bündnis bilden. Dies zeigt auch, wie sich die deutsche Parteienlandschaft verändert hat. Erfahrt mehr darüber, wie die Regierungen seit 1949 aussahen und warum Bündnisse aus drei Parteien wie nach der Bundestagswahl am 26. September 2021 zur Regel werden könnten.

Die klassische Koalition aus großem und kleinem Partner

Die klassischen Volksparteien in Deutschland sind die CDU und die SPD. Seit 1949 stellten sie auch immer den Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin. Im Bundestag bildet die CDU eine Fraktionsgemeinschaft mit ihrer Schwesterpartei CSU, die nur in Bayern zu Wahlen antritt – CDU und CSU werden gemeinsam auch als „Union“ bezeichnet. Eine der beiden Volksparteien regierte in der Vergangenheit meist mit einem kleineren Koalitionspartner zusammen: Mit der FDP bildeten sowohl die Union als auch die SPD Bundesregierungen – etwa unter dem CDU-Kanzler Helmut Kohl oder dem SPD-Kanzler Willy Brandt. Die SPD regierte in der Amtszeit von Gerhard Schröder (1998–2005) auch schon mit den Grünen.

Große Koalitionen aus Union und SPD

Bundeskanzlerin Angela Merkel stand in den 16 Jahren ihrer Amtszeit zwölf Jahre an der Spitze einer Regierung aus Union und SPD. Nach der Bundestagswahl 2017 sah es zwar zunächst danach aus, als könnte es zu einer Regierung aus CDU und CSU mit Grünen und FDP kommen – doch die FDP brach die Gespräche über eine Zusammenarbeit ab. Die Folge: Union und SPD bildeten erneut eine „Große Koalition“.

Neue Koalitionsmodelle aus drei Partnern

Nach der Bundestagswahl im September 2021 war schnell klar, dass es diesmal auf ein Dreier-Bündnis hinauslaufen würde: Weil die SPD stärkste Kraft im Bundestag wurde, sprach von Anfang an viel für eine Koalition der Sozialdemokraten mit Grünen und FDP. Um die Gunst der beiden kleineren Parteien warb anfangs auch die Union. Doch rund zwei Monate nach der Wahl stand fest: SPD, Grüne und FDP wollen die Regierung bilden, neuer Bundeskanzler soll der Sozialdemokrat Olaf Scholz werden.

Dass künftig drei Partner zusammen regieren, liegt in der veränderten Parteienlandschaft begründet. Während im Bundestag in der Vergangenheit zeitweise nur drei Fraktionen vertreten waren, sind es nun sechs: Neben den Regierungsfraktionen von SPD, Grünen und FDP noch die Fraktionen von CDU/CSU, der Linken sowie der rechtspopulistischen AfD. Eine Koalition mit der AfD schlossen alle anderen Parteien aus. Weil in den vergangenen Jahren bei Wahlen gerade CDU und SPD oft Stimmen verloren, könnte es künftig in Deutschland noch häufiger zu Dreier-Koalitionen kommen.

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