Eine Welle der Hilfsbereitschaft – Initiativen für Flüchtlinge

In ganz Deutschland helfen Ehrenamtliche, Ministerien, Organisationen, Stiftungen und Vereine den ankommenden Flüchtlingen. Die Zahl der Projekte ist groß. Eine Auswahl.

Arbeit

„Willkommenslotsen“

Bäcker, Dachdecker, Zimmerer: Einige Flüchtlinge sind gut qualifiziert. Wie finden Firmen und Flüchtlinge zusammen? Vom Bundeswirtschaftsministerium initiierte „Willkommenslotsen“ vermitteln Flüchtlinge an kleine und ­mittlere Unternehmen.

www.bmwi.de

KfW-Stipendien

Die Stiftung der Förderbank KfW unterstützt mit dem Programm „Ankommer“ 14 Start-ups. Alle Gründerteams setzen sich für die Integra­tion von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt ein. Das Stipendium umfasst Leistungen im Wert von 12 500 Euro.

www.kfw.de

Schule

„Willkommensklassen“

Auch für Flüchtlingskinder gilt in Deutschland die Schulpflicht. In Berlin lernen die Kinder zuerst in „Willkommensklassen“ die neue Sprache. Sobald sie diese ­beherrschen, wechseln sie in reguläre Klassen.

„START“-Stipendien

Einen Schulabschluss hätten viele junge Flüchtlinge gerne. Die „START“-Stipendien der Hertie-Stiftung unterstützen sie dabei. Mit ­ihrer Hilfe können die Flüchtlinge etwa Bildungsangebote wahrnehmen.

www.start-stiftung.de

Studium/Hochschule

Informationen zum Studium

Die Website „Informationen für Flüchtlinge – Studieren und Leben in Deutschland“ des DAAD richtet sich an Flüchtlinge, die in Deutschland angekommen sind und hier ein Studium beginnen oder fortsetzen möchten. Die Website ist unter anderem auf Arabisch, Dari, Paschtu und Urdu übersetzt und gibt einen Überblick über die wesentlichen Themen, die für ein Studium in Deutschland relevant sind.

www.study-in.de/fluechtlinge

„Academic Experience Worldwide“

Auf Augenhöhe begegnen sich Studierende aus Deutschland und Akademiker aus aller Welt bei „Academic Experience Worldwide“. Kern der an der Goethe-Universität Frankfurt gegründeten Plattform ist ein Tandemprogramm zwischen Studierenden und Asylbewerbern. Geflüchtete Akademiker sollen so in die Hochschullandschaft integriert werden.

www.aeworldwide.de

Stipendien in der 
Region

Die Bundesregierung hat 1992 die „Deutsche Akademische Flüchtlingsinitiative Albert Einstein“, kurz DAFI, ins Leben gerufen. Besonders begabten Flüchtlingen wird damit ein Studium in der Region ermöglicht.

www.unhcr.de/unhcr/dafi

Hilfe für Forscher

Eine Perspektive erhalten verfolgte Wissenschaftler durch die Philipp Schwartz-Initiative. Das vom Auswärtigen Amt mit der Alexander von Humboldt-Stiftung und weiteren Partnern gestartete Programm unterstützt deutsche Hochschulen und Forschungseinrichtungen dabei, ausländische Forscher für einige Zeit aufzunehmen.

www.humboldt-
foundation.de

Silent University

Flüchtlinge unterrichten in der Silent University andere Flüchtlinge. Das erste Institut wurde 2012 in London gegründet, inzwischen gibt es unter anderem Ableger in Hamburg und in Nordrhein-Westfalen.

www.thesilentuniversity.org

Unterkunft

Dezentrales Wohnen

Tür an Tür leben Flüchtlinge und Einwohner in Mühlheim an der Ruhr: Flüchtlinge werden möglichst in Wohnungen im gesamten Stadtgebiet untergebracht. Für das Zusammenleben hat sich das bewährt.

„Flüchtlinge 
Willkommen“

Die Plattform „Flüchtlinge Willkommen“ vermittelt Asylsuchende an Wohngemeinschaften. Gemeinsam mit Reisenden wohnen Flüchtlinge im Augsburger Grandhotel Cosmopolis. Neben den Zimmern gibt es Künstler­ateliers und ein Café. So sollen Flüchtlinge gut integriert werden.

www.fluechtlinge-
willkommen.de

Sprache

Initiativen des 
Goethe-Instituts

Das Goethe-Institut organisiert im Ausland diverse Programme für Flüchtlinge. In Jordanien etwa wurde ein Vorleseprojekt für Kinder ins Leben gerufen, in der libanesischen Bekaa-Ebene eine mobile Musikschule aufgebaut. In der Türkei gibt es Figurentheater. Die jungen Flüchtlinge sollen so ihre Ängste besser verarbeiten.

www.goethe.de

„Phrasenbuch“

Flüchtlinge und Helfer an der Uni Leipzig haben ein Online-„Phrasen­buch“ für wichtige Begriffe aufgebaut. Gesprächssituationen bei Behörden oder beim Arzt können als Audio-Datei in mehreren Sprachen abgespielt werden.

www.miteinander-
phrasenbuch.de

„Sprachbotschafter“

Von Schülern zu lernen ist manchmal besonders lehrreich. Deshalb gibt es an einigen Schulen „Sprachbotschafter“. Die Schüler verbringen ihre Freistunden in Klassen, die zum Großteil aus Flüchtlingen bestehen, und helfen beim Deutschlernen.

Dolmetscherpool

An der Mainzer Universität wurde ein Dolmetscherpool aufgebaut: Studierende und Lehrkräfte helfen Flüchtlingen bei Gesprächen in sozialen Einrichtungen.

www.fb06.uni-mainz.de

Ehrenamtliche Lehrer

Im Alltag finden Flüchtlinge sich am besten zurecht, wenn sie Deutsch sprechen. In vielen Städten geben ehrenamtliche Sprachlehrer Flüchtlingen Deutschunterricht.

Multimedia

Telenovela der DW

Liebe, Intrigen, Studium und Arbeitsleben: Die Telenova „Jojo sucht das Glück“ der Deutschen Welle (DW) ist so facettenreich wie der Alltag vieler Menschen. Mit ihrem Angebot, zu dem auch Informationen über Deutschland gehören, zeigt die DW, wie es sich in Deutschland lebt.

www.dw.com

Welcome App

Hilfe im Notfall, Fakten über Städte, Beratung zum Asylverfahren – das alles ist in der „Welcome App Germany“ auf dem Smartphone verfügbar. Die kostenlose App gibt es auf Deutsch, Englisch und Arabisch.

www.welcome-app-
concept.de

Angebote des 
Goethe-Instituts

Mit kostenlosen inter­aktiven Tools wie einer ­Vokabeltrainer- und ­einer Wortschatz-App oder einem Online-Selbstlernprogramm ­unterstützt das Goethe-
Institut Flüchtlinge dabei, Deutsch zu lernen.

www.goethe.de/
willkommen

News für Flüchtlinge

Um fünf vor 12, zweimal am Tag, strahlt das Funkhaus Europa eine fünfminütige Nachrichtensendung für Flüchtlinge aus. Auf Arabisch und Englisch werden sie über zahlreiche aktuelle Themen informiert: von der derzeitigen Situation in Deutschland über konkreten Service zu Gesundheit, Recht, Integration oder ehrenamt­lichen Initiativen bis hin zu Nachrichten von der Flüchtlingsroute.

www.funkhauseuropa.de

Magazin „Heimfocus“

Wie Flüchtlinge die Welt sehen, erfahren Leser des Magazins „Heim­focus“. Es erscheint alle drei Monate und wird von Pro Asyl, der Stadt Würzburg und anderen Partnern unterstützt. „Heimfocus“ lässt Flüchtlinge selbst berichten, statt nur über sie zu berichten. Gegründet wurde das Magazin von dem Journalisten Addis Mulugeta, der ­Ende 2009 aus Äthiopien floh und nach Deutschland kam.

www.heimfocus.net

Gesundheit

„Medinetz“

Sprechstunden für Flüchtlinge bieten Magdeburger Studierende der Medizin an. „Medinetz“ nennt sich die Initiative, bei der die Nachwuchsmediziner die ­Patienten ehrenamtlich an einen Facharzt vermitteln. Die Ärzte behandeln kostenfrei und anonym.

www.medinetz-
magdeburg.org

Hilfe der Malteser

In 14 deutschen Städten ist die „Malteser Migranten Medizin“ zu finden. Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus und ohne Krankenversicherung finden hier einen Arzt, der die Erstuntersuchung und Notfallversorgung übernimmt.

www.malteser-migranten-
medizin.de

Traumatherapie

Traumatherapeuten in ganz Deutschland helfen Flüchtlingen, das Erlebte zu verarbeiten. Im „Psychosozialen Zentrum für Flüchtlinge“ Düsseldorf etwa werden jährlich ungefähr 400 Menschen unterstützt.

www.psz-duesseldorf.de

Alltag

„Start with a friend“

Die Initiative „Start with a friend“ bringt Berliner Bürger und Flüchtlinge zusammen. Gemeinsam erkunden die Tandempartner die Stadt, sprechen oder lernen Deutsch und bewältigen Behördengänge.

www.start-with-a-friend.de

Integrationskurs 
für Frauen

Speziell für Frauen bietet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) einen Integrationskurs an. In bis zu 960 Unterrichtsstunden lernen weibliche Flüchtlinge und Migranten Deutsch. Auf dem Stundenplan stehen auch Alltagswissen und Einblicke in die Rechtsordnung, die Kultur und die deutsche Geschichte.

www.bamf.de

„Aachener Hände“

Sie sind eine wichtige Stütze für junge Flüchtlinge: Die Ehrenamtlichen der Initiative „Aachener Hände“ übernehmen Patenschaften für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge. Sie helfen im Alltag, unterstützen beim Lernen und dienen als Wegweiser durch die fremde Kultur.

www.aachener-haende.de

„Do it!“


Einen Schritt weiter geht das Wuppertaler Projekt „Do it!“: Die Helfer sind ehrenamtliche Vormünder für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Sie kümmern sich um den Schulbesuch, eine altersgerechte Unterbringung, die Gesundheit und um rechtliche Themen.

www.do-it-transfer.de

„Über den Tellerrand“

Bei der Initiative „Über den Tellerrand“ bereiten Flüchtlinge mit Kursteilnehmern Gerichte zu. Die Köche zeigen, wie ein Menü in ihrem Heimatland zubereitet wird. Bei den Kursen geht es auch darum, in andere Kulturen einzutauchen.

www.ueberdentellerrand.org

„jal ALB“

Ob Kinobesuch oder Ausflug zum Kinderfest: Der Hamburger Verein „jal ALB“ ermöglicht Flüchtlingen in Notunterkünften Ausflüge und damit eine willkommene Ablenkung vom Alltag.

www.jal-alb.de

„1:0 für ein 
Willkommen“

Der Deutsche Fußball-Bund unterstützt mit seinem Programm „1:0 für ein Willkommen“ Profi- und Amateurvereine, die Flüchtlinge aufnehmen.

www.dfb.de

Kultur

„Welcomegrooves“

Das Projekt „Welcomegrooves“ hilft Flüchtlingen auf musikalische Weise beim Deutschlernen. Die sechs online verfügbaren Lektionen sind in aktuell 24 Sprachen mit loungiger Musik hinterlegt. Unterstützt wurde das Projekt von mehr als 70 ehrenamtlichen Helfern aus den Bereichen Musik, Sprache und Text, Gestaltung, Technik und Social Media.

www.welcomegrooves.de

„Freudentanz“

Ihren ganz eigenen „Freudentanz“ führen Flüchtlingskinder in einem gleichnamigen Projekt der Münchner Sozialarbeiterin Eva-Maria Weigert auf. Die jungen Flüchtlinge lernen im Tanz, ihre Gefühle auszuleben und Ängste abzubauen. Spielerisch wird ihnen beigebracht, aufeinander zu achten und ein Selbstwertgefühl zu entwickeln.

www.freudentanz.net

„KRASS“

In vielen Farben leuchten ihre Bilder. Der ­Düsseldorfer Verein „KRASS“ ermöglicht es jungen Künstlern, sich in einem mobilen Atelier kreativ auszutoben. Wöchentlich steuern Künstler, Kunsttherapeuten und Ehrenamtliche mit gespendeten Materialien sechs Flüchtlingsunterkünfte an. In ihren Bildern verarbeiten die jungen Flüchtlinge Traumata und setzen sich mit dem Erlebten auseinander.

www.krass-ev.de

Offenes Atelier

Im September 2014 öffnete der aus der Türkei stammende Künstler, Kunstpädagoge und Kunsttherapeut Hasan Deveci erstmals sein Atelier für junge Maler. Die syrischen Flüchtlingskinder sollen mit Hilfe der Malerei ausdrücken, was sie erlebt haben und es so besser verarbeiten.

www.hhdeveci.de

Rechtsberatung

„Refugee Law Clinic“

Einen Anwalt können sich viele Flüchtlinge nicht leisten. An einigen deutschen Hochschulen sind deshalb Alternativen entstanden: Studentische Rechtsberatungen, sogenannte Refugee Law Clinics, bieten kostenlose Hilfe für Flüchtlinge: Zum Beispiel begleiten sie Hilfesuchende bei Behördengängen. Die Nachwuchsjuristen helfen ihren Mandanten auch bei Briefwechseln mit den Ämtern oder überprüfen juristische Sachverhalte. Rund 20 solcher Law Clinics gibt es aktuell in Deutschland, viele sind derzeit zudem im Aufbau.