Assia wird Klempnerin

Von wegen Männerberuf: Dieses Projekt in Jordanien hilft geflüchteten Frauen aus Syrien und bekämpft den Wassermangel im Land.

In einer Berufsschule in Irbid werden Klempnerinnen ausgebildet.
In einer Berufsschule in Irbid werden Klempnerinnen ausgebildet. Thomas Imo/photothek.net

„Für mich ist diese Ausbildung sehr wichtig. Ich habe nach einer Möglichkeit gesucht, Geld zu verdienen, um meine Kinder zu ernähren. Als Klempnerin kann ich selbst Reparaturen im Haus erledigen und der Beruf bringt gutes Geld“, sagt Assia Al Salameh. Sie ist aus Syrien nach Jordanien geflohen. Das Projekt „Vocational Training and Skill Enhancement for Jordanians and Syrian Refugees in the Water Sector“ der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und des Jordanischen Ministeriums für Wasser und Bewässerung verhalf ihr zu einer Ausbildung zur Klempnerin.

Jordanien ist eines der wasserärmsten Länder der Welt, zudem ist es durch Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak gefordert. Nach Zahlen des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen sind bis Februar 2018 rund 657.600 Flüchtlinge aus Syrien nach Jordanien geflohen – mit steigender Einwohnerzahl steigt auch der Wasserbedarf enorm.

Alte Armaturen, lecke Leitungen

Experten schätzen, dass der Wasserbedarf im Norden das Landes, an der syrischen Grenze, um 40 Prozent gestiegen ist. Und das bei ohnehin ständiger Wasserknappheit: In Jordanien stehen jedem Einwohner pro Jahr rund 100 Kubikmeter Wasser zur Verfügung. Zum Vergleich: In Deutschland sind es etwa 20 Mal so viel. Zudem sind die Sanitäranlagen vieler Haushalte veraltet und störanfällig und die Abwasseraufbereitung mit europäischen Systemen nicht vergleichbar.

Das Projekt der GIZ, das bis 2020 läuft, widmet sich dem Wasserproblem mit verschiedenen Ansätzen. Die Ausbildung von Frauen zur „Sabaka“ (Klempnerin) hilft nicht nur, Jordaniens tropfende Wasserhähne abzudichten, sondern ist auch Hilfe zur Selbsthilfe.

Brigitte Schlichting, Handwerkerin mit eigenem Betrieb in Berlin, reist als Ausbilderin regelmäßig in den Nahen Osten. Dabei hat sie ein besonderes Problem ausgemacht: „In Jordanien muss traditionell ein Mann im Haus sein, wenn männliche Handwerker kommen.“ Umso wichtiger ist es, auch Frauen im Klempnerberuf auszubilden, damit Wasserhähne nicht länger als nötig tropfen – denn in Jordanien gehen ohnehin schon bis zu 40 Prozent des Wassers durch defekte Armaturen und Wasserleitungen verloren, schätzen Experten.

Neue Perspektive als Klempnerin

Seit 2014 sind 536 jordanische und syrische Sanitärfachkräfte ausgebildet worden, die Hälfte von ihnen sind Frauen. Eine Ausbildung dauert zwischen zwei Monaten und einem Jahr. Zehn Trainer arbeiten dafür in sieben Berufsschulen mit den Auszubildenden, dazu kommen 20 ehemalige Teilnehmerinnen, die als Trainerinnen assistieren. Und eben Schlichting, die Meisterklempnerin aus Deutschland, die jeweils für zwei Wochen das Training der Frauen begleitet.

Die angehenden Klempnerinnen wagen sich nicht nur in eine berufliche Männerdomäne – übrigens braucht es auch in Deutschland Aktionstage wie den „Girls‘ Day“, um berufliche Rollenbilder zu verändern. In Jordanien schaffen die weiblichen Sanitärfachkräfte fast nebenbei noch ein neues, gesellschaftliches Rollenverständnis: Früher waren die meisten abhängig vom Einkommen ihrer Ehemänner, heute verdienen sie selbst. Zum Abschluss ihrer Ausbildung bekommen sie auch das nötige Werkzeug, um sofort arbeiten zu können, entweder als selbstständige Sabakas oder gemeinsam in Kooperativen. Aus dem Projekt sind bisher zwei solcher Kooperativen hervorgegangen, eine in der Hauptstadt Amman, eine in Irbid.

Die Moschee als Multiplikator

Zum GIZ-Projekt gehört auch die Schulung von Wasserbotschaftern. Diese Rolle übernehmen vor allem Imame und Seelsorgerinnen als wichtige Multiplikatoren. Die Wasserbotschafter informieren über einfache, aber wirkungsvolle Wassersparmöglichkeiten und gehen mit gutem Beispiel voran: In einigen Gotteshäusern läuft ein Pilotprojekt mit Regenwasseraufbereitungsanlagen. In den meisten Moscheen gibt es neue Armaturen, die den Wasserbedarf für die rituellen Waschungen um mindestens ein Drittel verringern sollen. Bis die neu ausgebildeten Klempnerinnen sich auch um die Sanitäranlagen von Moscheen kümmern dürfen, braucht es vielleicht noch ein Umdenken in der von Männern dominierten Gesellschaft. Doch die ersten Schritte sind getan.

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