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Dahin gehen, wo es wehtut

Der Content Creator Marcant spricht mit Menschen aus der rechtsextremen Szene. Seine Videos gehen viral – und öffnen manchen die Augen.

Christina HenningChristina Henning, 25.02.2026
Content Creator Marcant sucht auf rechten Demos das Gespräch.
Content Creator Marcant sucht auf rechten Demos das Gespräch. © picture alliance / Eventpress Fuhr

Dezember 2024: Der Content Creator Marcant schmiedet einen Plan. Er will auf Demos der rechtsextremen Szene in Deutschland gehen – „dahin, wo es wehtut“, wie er sagt. Nicht, um darüber zu berichten, sondern um das Gespräch zu suchen. Seine Begegnungen nimmt er auf, ordnet sie faktisch ein. Nach gut einem Jahr werden seine Videos millionenfach in den sozialen Medien gesehen.

Fakten statt Meinung

April 2025 in Berlin: Marcant spricht mit dem 16-jährigen Felix, der im Video sagt, er sei rechtsextrem. Felix behauptet, es gebe „Beweise“ dafür, wie viele Menschen „tatsächlich“ im Holocaust gestorben seien – das sei seine Meinung. Marcant widerspricht und betont, dass im Holocaust sechs Millionen Juden ermordet wurden. Im Video folgt ein Schnitt, dann präsentiert Marcant Quellen, die das belegen. Es sind überprüfbare Fakten, keine Meinung.

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Marcant ist Anfang 20 und schon seit einigen Jahren auf Social Media aktiv. Dass sich die rechtsextreme Szene dort organisiert, kommentiert er seit 2021 kritisch. In einem seiner ersten Youtube-Videos reagiert er auf ein Tiktok der rechtspopulistischen Partei AfD. Ihn stört, dass rechtsextreme Stimmen in den sozialen Netzwerken meist am lautesten seien, während Gegenstimmen oft ausbleiben würden. Mit seinem Content will er diese Lücke füllen: „Nicht nur rumlabern, sondern etwas beitragen.“

Deshalb geht er regelmäßig mit Mikrofon und Kamera auf rechtsextreme Veranstaltungen, spricht sachlich mit Teilnehmenden und hält dagegen, wenn Lügen verbreitet werden. Nicht selten wird er erkannt; viele weigern sich, mit ihm zu sprechen. Andere tun es – wie Felix. Anfangs, sagt Marcant, hätten ihn solche Aussagen schockiert. Wenn man sie jedoch immer wieder höre, überraschten sie einen irgendwann nicht mehr. In seinen Videos betont Marcant: Es nütze nichts, Menschen persönlich anzugreifen. Wichtiger sei es, neue Perspektiven zu eröffnen und Wege aufzuzeigen, wie man Lügen entlarvte.

Warum es sich lohnt, das Gespräch zu suchen

Bei Felix ist es Marcant gelungen, ihn aus der rechtsextremen Szene herauszuholen. Fünf Monate, nachdem sie sich auf der Demo trafen, sprechen sie erneut. Felix sagt, das Interview und seine eigenen Aussagen hätten ihm die Augen geöffnet. Und Felix ist nicht der Einzige: Marcant bekommt viele Nachrichten, die Ähnliches berichten. Für die Leute, die er da herausholen könne, sagt Marcant, lohne sich der Aufwand.