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Der Gen-Z-Beethoven

Louis Philippson ist der Piano-Shootingstar auf Tiktok: absolutes Gehör, Millionen Fans und ausverkaufte Tourneen. Hier erzählt er, wie er die Klassik verändert. 

Christina IglhautInterview: Christina Iglhaut , 25.02.2026
Louis Philippson am Klavier
Philippsons Repertoire reicht von französischer Spätromantik bis Anime-Soundtrack. © Gregor Hohenberg

In einer Talkshow stellt die Moderatorin ihre Tasse hörbar auf den Tisch. Louis Philippson lächelt kurz und sagt: „Das war ein C.“ Er ist der Shootingstar der Klassikszene – mit absolutem Gehör und Millionen Followern. Philippson wurde bereits mit vier Jahren eingeschult (in Deutschland geschieht das üblicherweise mit sechs Jahren), mit acht war er Jungstudent an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf. Heute gehören Blitzlichtgewitter und Autogrammstunden zu seinem Alltag. Szenen, die man eher von Popstars kennt, doch nun hat auch die Klassik ihren Shootingstar. 

Louis, welches Stück würdest du jemandem vorspielen, der sagt: „Klassik ist nichts für mich“? 

Ich wäre ganz radikal und würde „La Valse“ von Maurice Ravel spielen. Eigentlich das Stück, das man auf keinen Fall nehmen sollte, wenn man jemandem Klassik näherbringen will. Es ist verrückt, manchmal verwirrend, aber auch emotional, dynamisch, voller sensibler Stellen und virtuoser Momente – es ist mein Lieblingsstück. Und genau darum geht’s mir: Ich will zeigen, warum ich Klassik liebe, nicht irgendwen ködern. 

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Das war auch das erste Stück, das du auf Social Media gepostet hast. Mittlerweile folgen dir mehr als eine Million Menschen. Was sind das für Leute? 

Meine Followerinnen und Follower sind deutlich jünger als die klassischen Konzertgänger. Auf Social Media liegt der Schnitt vielleicht bei 22 Jahren – auf Tiktok sind es oft sogar Teenager, die zum ersten Mal mit Klassik in Berührung kommen.  

Erleichtern soziale Netzwerke den Zugang zur Klassik? 

Sie zeigen vor allem: Klassik wird von Menschen gemacht. Nicht von irgendeiner unerreichbaren Elite. Die Musik ist gar nicht unzugänglich, aber die Art, wie sie kommuniziert und verpackt wird, oft schon. Popmusiker erzählen Geschichten, sind nahbar. Bei der Klassik hat man sich davon entfernt, obwohl Mozart oder Beethoven damals auch coole, zum Teil wilde Persönlichkeiten waren. Diese menschliche Seite der klassischen Musik darf man ruhig wieder mehr zulassen. 

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Eckst du bei etablierten Klassikexperten an? 

Natürlich habe ich damit gerechnet, dass man erst mal die Augen verdreht. Vor zehn Jahren wäre das sicher passiert. Aber vielen ist bewusst, dass man neue Wege braucht. Dinge, die früher als verrückt galten – wie barfuß auf die Bühne zu gehen –, werden heute gefeiert. Und trotzdem hat auch das traditionelle Konzert seine Berechtigung. Es geht nicht um entweder oder. 

Und kommen die Menschen, die du via Social Media erreichst, dann auch in den Konzertsaal? 

Das war die große Frage. Ob Menschen, die eine Minute Klassik im Feed schauen, auch anderthalb Stunden im Konzert „aushalten“. Aber die erste Tour war schnell ausverkauft, dann die zweite auch. Social Media ist eine Tür, aber die Urform bleibt das Konzert. Dieses Erlebnis kann man nicht ersetzen. 

Ist dein Publikum international? 

Ja, das ist das Magische an der Instrumentalmusik, sie kennt keine Grenzen. Es ist eine Sprache, die jeder verstehen kann – wenn man ihr eine Chance gibt. 

Welche Fragen liest du in deiner Kommentarspalte am häufigsten? 

„Kannst du bitte XY spielen?“ und vor allem „Wie viel muss ich üben, um so gut zu werden?“ 

Antwort? 

Immer üben. Bis zum Umfallen üben! (lacht)