Mit Abfall gegen Abfall

Ein Berliner Startup hat eine umweltfreundliche Verpackung entwickelt. Es nutzt dafür herabgefallene Blätter der Arekapalme aus Indien.

Die Arekapak-Gründerinnen: Alexandra Matthies und Nicole Plock
Die Arekapak-Gründerinnen: Alexandra Matthies und Nicole Plock Arekapak

Die Idee ist so einfach wie überzeugend: Das Laub der Arekapalme wird eingeweicht und mit Hitze und Druck in eine Form gepresst. Heraus kommt mit wenig Wasserverbrauch, geringem Energieaufwand und ohne chemische Zusätze eine formschöne Verpackung, die auch als Servierschale oder Brotdose verwendet werden kann. Und wenn sie einmal nicht mehr gebraucht wird, wandert sie in die Biotonne und wird innerhalb von 60 Tagen zu Erde.

Die Geschichte dahinter ist die zweier Berliner Studentinnen, die 2014 mit einem DAAD-Stipendium zu einem Auslandssemester nach Indien aufbrachen. Die angehenden Produktdesignerinnen Alexandra Matthies und Nicole Plock hatten sich schon vorher mit dem Thema Verpackungen beschäftigt. „Doch erst dort fiel uns auf, wie massiv und global das Plastikproblem eigentlich ist, das wir uns eingehandelt haben“, erinnert sich Matthies. „Man sieht den Verpackungsmüll überall auf der Straße, ein effektives Müllsystem gibt es oft nicht.“

Das Rohmaterial: abgefallene Blätter der Arekapalme
Das Rohmaterial: abgefallene Blätter der Arekapalme Arekapak

Wir hatten in Indien gesehen, wie die Blätter in einem sehr einfachen Verfahren zu Tellern wurden.

Alexandra Matthies, Mitbegründerin von Arekapak

Aber die beiden bekamen auch mit, wie vor allem auf dem Land mit einfachen Mitteln Verpackungen aus natürlichen Materialien hergestellt werden. Besonders beeindruckte die beiden die Verarbeitung der Blätter der Arekapalme, ein landwirtschaftliches Nebenprodukt, zu einer Art natürlicher Einwegschale, um Lebensmittel zu portionieren. Für ihre Bachelorarbeit sollten sie den Prototyp einer Verpackung aus Naturmaterialien gestalten – da lag es für sie nahe, die großen, faserigen Pflanzenblätter zu verarbeiten. „Wir hatten in Indien gesehen, wie die Blätter in einem sehr einfachen Verfahren zu Tellern wurden“, sagt Matthies. Ihre erste Areka-Verpackung haben sie dann selbst gebacken – in einer Holzform im einfachen Backofen.

Das Produkt: formschöne Verpackungen, leicht kompostierbar
Das Produkt: formschöne Verpackungen, leicht kompostierbar Arekapak

Für ihre Abschlusspräsentation an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin verfeinerten Sie das Design und bekamen so viel Zuspruch, dass sie sich 2018 entschieden, das Unternehmen Arekapak zu gründen. „Einerseits ging es uns darum, ein noch kaum beachtetes nachhaltiges Verpackungsmaterial in Deutschland zu etablieren, andererseits war es uns auch wichtig, einen Beitrag zur wirtschaftlichen Aufbauarbeit in Indien zu leisten“, sagt Matthies.

Am Markt punkten will Arekapak mit einer Kombination aus Funktionalität und ansprechendem Design – etwas, das vielen aktuellen Verpackungen aus Naturmaterialien fehlt, so Matthies. Ein weiterer Pluspunkt in ihren Augen: die Multifunktionalität des Produktes. Durch ihren holzartigen, dekorativen Charakter lassen sich die Verpackungen auch als Servierschalen verwenden. Zudem sind sie ofenfest. „So lässt sich Ofengemüse schnell zubereiten oder sogar ein Kuchen darin backen.“

Obwohl Arekapak noch am Anfang steht und auf dem Weg zu einem echten, im Lebensmittelhandel funktionierenden Massenprodukt noch einige Hürden zu nehmen sind, zeigt sich schon: Das Interesse der Industrie an dem Produkt ist hoch. Viele versprechen sich echte Verkaufsvorteile durch die Verwendung der nachhaltigen und ansprechend designten Verpackungen. In den Gesprächen, die Plock und Matthies zur Marktanalyse geführt hatten, stellten sie außerdem fest: Selbst Discounter stehen inzwischen unter einem spürbaren Druck ihrer Konsumenten, was das Thema Nachhaltigkeit angeht, und sind offen für neue Lösungen.

Die große Herausforderung für Arekapak ist noch die Produktion in hoher Stückzahl. Da es sich um Einwegprodukte handelt, müsste, sobald man einen Kunden mit größerem Bedarf akquiriert, auch eine kontinuierliche Lieferung in entsprechender Menge garantiert werden. „Hier sind wir im Augenblick noch etwas zurückhaltend“, sagt Matthies. „Uns ist der soziale Aspekt ganz wichtig und wir wollen es unbedingt vermeiden, unsere indischen Partner zu überlasten.“

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