Alarmstufe: Rot

Der Naturschutzbund Deutschland hat Lizenzen zum Erhalt des Tropenwaldes in Indonesien gekauft. Jetzt brennt es dort. Was nun?

Indonesischer Feuerwehrmann beim Einsatz auf Sumatra
Indonesischer Feuerwehrmann beim Einsatz auf Sumatra dpa

„Hutan Harapan“ ist Indonesisch und heißt übersetzt „Wald der Hoffnung“. Seit zehn Jahren schützt der Naturschutzbund Deutschland (NABU) zusammen mit anderen internationalen Naturschutzorganisationen das 100.000 Hektar große Gebiet im Tiefland auf der Insel Sumatra. Doch nun brennt der Regenwald. Mindestens 75 Brände wurden in diesem Jahr schon gezählt. „Wir haben es hier mit Brandstiftung zu tun, nicht mit einer Naturkatastrophe!“, stellt Tom Kirschey klar. Der Biologe ist beim NABU für Internationalen Moorschutz und Südostasien-Projekte zuständig.

Tom Kirschey, Teamleiter Südostasien-Projekte beim NABU
Tom Kirschey, Teamleiter Südostasien-Projekte beim NABU privat

Tropenwälder können unter natürlichen Bedingungen gar nicht brennen.

Tom Kirschey, Teamleiter Südostasien-Projekte beim NABU

Kirschey erklärt, dass die Tropenwälder unter natürlichen Bedingungen gar nicht brennen können, da der Waldboden immer feucht ist. Erst wenn der Mensch den Wald auflichtet und Sonnenstrahlen eindringen, trocknet der Boden aus und kann Feuer fangen. Meist sind es landlose Siedler, die bereits gerodete Waldflächen, die sich eigentlich regenerieren sollten, in Brand setzen. Sie wollen dort Plantagen mit Ölpalmen oder anderen gewinnbringenden Monokulturen pflanzen.

Die Brandstifter auf Sumatra haben gerade leichtes Spiel. Während es früher auch in der Trockenzeit ein- bis zweimal in der Woche ergiebig regnete, bleibt der Regen in diesem Jahr seit mehr als zwei Monaten komplett aus. Wegen des Klimawandels könnte dieser Extremfall das neue Normal werden.

Auch 100.000 Menschen bedroht

Schulen und Flughäfen sind geschlossen, 100.000 Menschen müssen wegen Erkrankungen der Atemwege behandelt werden. Partner des NABU versuchen, unterstützt von Polizei und Militär, die Brände zu löschen. Zwei Brandstifter wurden bereits verhaftet.

Durch die Brände wird tonnenweise CO2 freigesetzt, das beschleunigt die Erderwärmung. Vor hundert Jahren gab es auf Sumatra noch 16 Millionen Hektar Tieflandregenwald. Heute sind 98 Prozent davon verschwunden und damit auch wichtige Speicher für CO2.

Die Wälder sind komplett im Staatsbesitz. Während die Regierung früher nur Lizenzen zum Holzeinschlag verkaufte, kam 2004 eine Lizenz hinzu, die das Ökosystem Wald schützen soll. Naturschutzorganisationen erwerben die Lizenzen, um Gebiete, in denen Bäume gefällt worden waren, wiederherzustellen und auf ökologisch und sozial nachhaltige Weise zu verwalten.

Inzwischen sind 650.000 Hektar indonesischer Regenwald durch die Öko-Lizenzen vor weiterer Zerstörung bewahrt. Die indonesische Regierung hat angekündigt, die Schutzlizenzen auf bis zu 2,1 Millionen Hektar Wald zu erweitern.

Der Harapan Regenwald vor dem Brand
Der Harapan Regenwald vor dem Brand NABU

Der NABU verwaltet gemeinsam mit internationalen Partnern 100.000 Hektar auf Sumatra, das sind fast 40 Prozent des verbliebenen Tieflandregenwalds auf der Insel. Die Waldfläche nehme jährlich in etwa so viel CO2 auf und speichere es, wie die Stadt Berlin pro Jahr ausstoße, sagt Kirschey. Dazu soll bald ein weiteres Projektgebiet auf der Insel Sulawesi kommen, das zwar nur 50.000 Hektar groß ist, aber eine fünfmal so große, bergige Waldfläche verbindet.

Nichtholzprodukte als Alternative

Doch wie sieht der Schutz konkret aus? Das Ökosystem Tropenwald darf sich regenerieren, es werden keine Bäume gefällt und keine Monokulturen gepflanzt. Stattdessen unterstützen Umweltorganisationen die Einheimischen dabei, alternative Einnahmequellen zu finden. „Der Schlüssel sind Nichtholzprodukte“, sagt Kirschey vom NABU. Gemeint sind Kautschuk, Bambus und Honig. Kautschukbäume gedeihen auch im Mischwald und um den Milchsaft zu gewinnen, muss nur die Rinde angeritzt werden, die Bäume leben weiter. Bambus ist eine extrem schnell wachsende Holzart, alle zwei Jahre können acht Meter geerntet werden. Die Kakaobauern auf Sulawesi werden darin geschult, qualitativ hochwertigeren Kakao anzubauen und diesen selbst weiterzuverarbeiten, um mehr Geld zu verdienen.

Die Tropenwälder sind ein Hotspot der Biodiversität
Die Tropenwälder sind ein Hotspot der Biodiversität NABU

„Wir haben eine moralische Verantwortung, die Regenwälder zu schützen“, sagt Kirschey. Die Tropenwälder sind Hotspots der Biodiversität. Während in ganz Europa nur 60 Baumarten wachsen, sind es auf Sumatra 1800. Es gibt sehr viele Tier- und Pflanzenarten, die nur dort vorkommen. Viele von ihnen sind noch nicht erforscht und könnten für medizinische Zwecke nützlich sein. Ein Frosch auf Sumatra zum Beispiel produziert ein giftiges Hautsekret, das antibakteriell wirkt.

Mindestens genauso wichtig jedoch ist die globale Bedeutung der indonesischen Wälder als Speicher von CO2. „Ihr Verschwinden betrifft uns alle“, warnt Kirschey. Denn bricht das Ökosystem Tropenwald zusammen, hat dies katastrophale Folgen für den ganzen Planeten.

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