Fortschritt durch geteiltes Wissen

Für eine nachhaltige Zukunft: Junge Deutsche und Israelis forschen gemeinsam in der Wassertechnologie. 

Israel ist weltweit führend im Abwasserrecycling.
Israel ist weltweit führend im Abwasserrecycling. AdobeStock

„Am Ende meines Austausches in Hamburg war ich, um ehrlich zu sein, ein bisschen hungrig. Mir fehlte die israelische und koschere Küche“, scherzt Moshe Ben Sasson, Alumnus und heutiger Projektleiter des Austauschprogramms Young Scientist Exchange Program (YSEP) auf israelischer Seite. Dennoch stehen für ihn natürlich die Vorteile einer Zusammenarbeit im Vordergrund: „Der Austausch stärkt unsere Beziehungen und die Wissenschaftler können viel voneinander lernen. Das ist für beide Länder und am Ende für die Forschung weltweit von Vorteil. Deutschland ist, trotz der komplizierten Historie, heute ein starker und wichtiger Partner für uns.“ Aus diesem Grund haben das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das israelische Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Weltraum (MOST) schon 1999 das Austauschprogramm YSEP ins Leben gerufen. Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen hier gemeinsam zum Thema Wassertechnologie. Für einen Zeitraum von einem Monat bis zu einem halben Jahre arbeiten sie mit einem YSEP-Stipendium jeweils im anderen Land.

Es ist sehr fruchtbar, in der Forschung verschiedene Perspektiven und Ansätze zu kombinieren.

Shani Ben Moshe, YSEP-Alumna

Die Länder im Nahen und Mittleren Osten leiden unter Wasserknappheit, was sich in der Zukunft noch verschlimmern kann, falls keine Lösungen für bessere Wassernutzung gefunden werden. In Israel gibt es bereits leistungsfähige, an die Region angepasste Ansätze wie Entsalzungsanlagen, die das Meerwasser filtern und so für die Landwirtschaft nutzbar machen. Das Land ist darüber hinaus mittlerweile Weltmarktführer im Abwasserrecycling. Aufgrund der komplizierten Verhältnisse mit den Nachbarländern breitet sich dieses Wissen aber kaum über die Ländergrenzen hinweg aus. Auch Deutschland arbeitet an innovativen Lösungen in der Wassertechnologie. Zwei Teilnehmerinnen berichten von ihren Erfahrungen mit YSEP:

Shani Ben Moshe
Shani Ben Moshe (29)
arbeitet als Doktorandin auf dem Gebiet der Umweltwissenschaften am Technion Haifa, der Technischen Universität Israel, und forschte für fünf Wochen an der TU Dresden.

„Ich beschäftige mich mit sehr spezifischen Themen, die in unserer Region ein Problem darstellen. Der Austausch hat mich mit neuen Umweltproblemen konfrontiert, deren Lösungen aber auch für uns nützlich sind. Beim Thema Wasseraufbereitung zum Beispiel bringt die Kombination des Wissens und der Erfahrung aus beiden Ländern oft sehr kreative Ideen hervor. Für uns in Israel sind nachhaltigere Wege zur Wasserversorgung in der lokalen Landwirtschaft nicht nur wirtschaftlich wichtig, sondern angesichts des Süßwassermangels eine absolute Notwendigkeit. Oft kann eine Lösung, die in einem Land auf ein bestimmtes Problem passt, auch zu einem anderen Problem in einem anderen Land passen. Es ist deshalb sehr fruchtbar, in der Forschung verschiedene Perspektiven und Ansätze zu kombinieren. Die Forschungseinrichtung und der Versuchsaufbau, die mir in Deutschland zur Verfügung standen, waren großartig. Unsere Forschung war darauf ausgerichtet, biogeochemische Prozesse in den Wasseraufbereitungssystemen zu untersuchen. Das Labor, das ich besuchte, baute extra eine sechs Meter lange Bodensäule, die mit Erde aus Israel gefüllt war. Uns wurden alle erforderlichen Messgeräte zur Verfügung gestellt, die es uns ermöglichten, wichtige Versuche umzusetzen. Obwohl der Fokus natürlich auf dem wissenschaftlichen Austausch lag, habe ich mich sehr gefreut, dass meine Gastgeber mich so herzlich aufgenommen und mir auch das Land gezeigt haben. Deutschland ist wunderschön und ganz anders als Israel, das war richtig spannend.“

Carina Hartig
Carina Hartig (25)
studiert in Aachen Bauingenieurwesen und forschte an der Ben-Gurion Universität in Be’er Scheva.

„Israel ist ein sehr trockenes Land, mit Städten mitten in der Wüste, doch die Wasserversorgung gelingt sehr gut, vor allem wegen der Nutzung von Entsalzungsanlagen. Das hat mich überrascht. Wir können von diesem Wissen in Deutschland profitieren. Die beiden Länder haben ziemlich unterschiedliche Probleme, aber trotzdem können wir diese Probleme sinnvoller lösen, wenn wir gemeinsam forschen, vor allem in der Bioökonomie. Israel ist im Allgemeinen sehr innovativ, wenn es darum geht, Wasser und Sonne nachhaltig zu nutzen. Mein Fokus liegt auf Textilbeton. Normalerweise wird Beton mit Stahl verbaut, doch Stahl ist sehr wasserempfindlich, deshalb arbeiten wir daran, mehr und mehr Textilien zu nutzen. Und gerade wenn es ums Bauen geht, ist Israel sehr innovativ und umweltbewusst. Beim Thema Plastikmüll könnte Israel aber vielleicht auch etwas von Deutschland lernen, da sind wir etwas weiter. Meine Kollegen haben mich manchmal sogar damit aufgezogen, wie akribisch ich auf meinen Plastikverbrauch achte. Im Team haben wir uns super verstanden – trotz vieler unterschiedlicher Religionen. Der Austausch war offen und spannend. Vor allem wegen der Vergangenheit ist der Austausch – wissenschaftlich oder nicht – sehr wichtig.“