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Deutschland und Brasilien: Partner für Klima, Quanten und das Weltall

Warum es der richtige Moment ist, die Kooperation in Zukunftsfeldern zu stärken, erklärt Katharina Fourier vom Deutschen Wissenschafts- und Innovationshaus São Paulo.

Interview: Constanze Bandowski, 22.05.2026
Mehrere Männer stehen an einem Messestand.
Brasiliens Präsident Lula da Silva und Bundeskanzler Friedrich Merz im April 2026 auf der Hannover Messe © Deutsche Messe AG

Bei den deutsch-brasilianischen Regierungskonsultationen im April 2026 in Hannover haben die beiden Länder sechs Schlüsselbereiche für die Zusammenarbeit in Forschung und Innovation definiert. Welche sind das und warum wurden sie ausgewählt?

Es geht um KlimaEnergieMeeresforschungRohstoffeQuantentechnologien und Raumfahrt – alles Zukunftsthemen, die globale Herausforderungen betreffen. In den ersten vier Feldern hat Brasilien mit dem Amazonas, der langen Atlantikküste, einem starken grünen Strommix und wichtigen Rohstoffen eine Schlüsselposition – Deutschland ergänzt dies mit hohen Kompetenzen in Forschung, technologischer Expertise und Erfahrungen in der praktischen Anwendung. Quantentechnologien sind für Brasilien noch ein Zukunftsfeld. Deutschland verfügt hier über großes Know-how. Eine Kooperation kann Brasiliens Anschluss an internationale Entwicklungen beschleunigen. Bei der Raumfahrt ergänzen sich brasilianische Erfahrungen in Erd- und Amazonasbeobachtung sowie Umweltmonitoring mit deutschen Stärken in Technologie, Sensorik und Datenauswertung.

Eine Frau blickt in die Kamera.
Katharina Fourier, Leiterin des Deutschen Wissenschafts- und Innovationshauses São Paulo und der DAAD-Außenstelle Rio de Janeiro © Zô Guimarães/DAAD
Es geht nicht um einseitigen Technologietransfer, sondern um Partnerschaft auf Augenhöhe.
Katharina Fourier, Direktorin des Deutschen Wissenschafts- und Innovationshauses São Paulo

Warum ist die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Brasilien gerade jetzt so wichtig?

Wir leben in einer Welt mit geopolitischen Unsicherheiten, veränderten Lieferketten und neuen Abhängigkeiten. Zukunftsfragen lassen sich nur international lösen. Dadurch gewinnt diese langjährige Zusammenarbeit an Bedeutung: Brasilien bietet eine starke Wissenschaft, große natürliche Ressourcen, enorme Potenziale bei erneuerbaren Energien und Biodiversität sowie eine dynamische Innovationslandschaft. Deutschland bringt eine starke Forschungs- und Industrielandschaft ein. Es geht nicht um einseitigen Technologietransfer, sondern um Partnerschaft auf Augenhöhe.

Blick in eine Messehalle, an vielen Stellen sind die brasilianischen Nationalfarben zu sehen.
Brasilien war Partnerland der Hannover Messe 2026. © Deutsche Messe AG

Welche Forschungskooperationen gibt es bereits – mit welchen Erfolgen?

Es gibt viele etablierte und sehr erfolgreiche Kooperationen in unterschiedlichsten Feldern. Ein Leuchtturmprojekt der internationalen Klimaforschung ist das Amazon Tall Tower Observatory. Es liefert seit Jahren Klima- und Atmosphärendaten aus dem Amazonas. Mit PROBRAL haben der Deutsche Akademische Austauschdienst, kurz: DAAD, und die brasilianische Förderagentur CAPES seit über 30 Jahren mehr als 600 deutsch‑brasilianische Projekte gefördert, unter anderem zu Energie, Klima und Wasser. Hochschulpartnerschaften umfassen Themen wie Offshore‑Wind und Leistungselektronik, Wasser-Governance und Klimaanpassung sowie CO₂‑Abscheidung, Wasserstoff und nachhaltige Kraftstoffe. 2023 starteten der DAAD und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, kurz: GIZ, mit NoPa 2.0 ein gemeinsames Forschungsprogramm im Energiesektor für grünen Wasserstoff, Power‑to‑X, Elektrifizierung und Energiespeicherung. Solche Programme schaffen langfristige Netzwerke, die oft in Innovation und Anwendung münden.

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In welchem Bereich sehen Sie das größte Potenzial und warum?

Das größte Potenzial bietet die Verbindung von Klima, Energie und nachhaltiger Transformation. Brasilien hat einen grünen Standortvorteil: Ein großer Teil des Stroms kommt bereits aus Wasser-, Wind-, Solarenergie und Biomasse. Das bietet enorme Chancen für eine klimafreundliche Industrialisierung. Gerade der Nordosten Brasiliens entwickelt sich zu einem Zentrum für Wind, Solar, grünen Wasserstoff und neue industrielle Wertschöpfungsketten. Dort zeigt sich ganz konkret, wie eng Forschung, Innovation und wirtschaftliche Transformation zusammenhängen, denn es geht um Energiespeicherung, Netzausbau, Wasserstoff, nachhaltige Kraftstoffe und Dekarbonisierung industrieller Prozesse. Deshalb baut der DAAD seine Präsenz in Fortaleza aus, um Vernetzung und Kooperationen in diesen strategischen Zukunftsfeldern zu stärken.

Welche Herausforderungen sehen Sie und wie lassen sich diese verringern?

Die Wissenschafts- und Innovationssysteme funktionieren unterschiedlich. Förderlogiken, Verwaltungswege, Zeitpläne, Anerkennung von Abschlüssen, Sprache oder geistige Eigentumsrechte können Kooperationen erschweren. Zudem braucht es langfristige und verlässliche Finanzierungen. Gute Forschungskooperationen brauchen Zeit. Auch die Transformation an sich benötigt neue Strukturen: Energienetze, Speicher, digitale Infrastruktur und Fachkräfte, nachhaltige und transparente Rohstoffkooperationen mit lokaler Wertschöpfung. Neue Technologien wie Künstliche Intelligenz oder Quanten erfordern Vertrauen, Standards und gemeinsame Regeln. Dafür bedarf es verlässlicher Ansprechpartner, transparenter Informationen, gemeinsamer Förderprogramme und langfristiger Finanzierung, Mobilität und Netzwerke.

Schaufenster für Innovation aus Deutschland

Das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) São Paulo macht den Innovationsstandort Deutschland in Brasilien sichtbar und schafft Netzwerke zwischen den wissenschaftlichen Institutionen beider Länder. Es gibt weitere DWIH in Neu-Delhi, New York, San Francisco und Tokyo.