Warum investieren die Deutschen in China?
Automobil, Chemie, grüne Energie: Wo deutsche Unternehmen in China investieren – und warum diese Standorte besonders gefragt sind.
Innovativ, schnell, technikaffin: Dass China für deutsche Firmen ein attraktiver Standort ist, hat viele Gründe. Rund 5.000 deutsche Unternehmen sind aktuell laut der Deutschen Auslandshandelskammer Greater China im Reich der Mitte aktiv. Die wichtigsten Industriezweige sind Automobil, Chemie und Grüne Energie.
Was macht China attraktiv für deutsche Investoren?
„Ein großer Vorteil Chinas ist die Innovationskraft und Innovationsgeschwindigkeit, insbesondere bei Grünen Technologien wie E-Fahrzeugen, Batterien und Solarenergie“ sagt Stefan Geiger, Geschäftsführer des Chinaforums Bayern e.V., einer Vereinigung deutscher Unternehmen, die sich in China engagieren. „Wir sehen den Trend, dass deutsche Unternehmen nicht mehr nur die Produktion, sondern auch ihre Forschungs- und Entwicklungsarbeit teils oder sogar komplett nach China verlagern.“ Deutsche Unternehmen schaffen in China aktuell rund 1,1 Millionen Arbeitsplätze. Dazu kommt: China ist sehr offen für neue Technologien und Europa in Sachen Digitalisierung oft voraus.
Weitere wichtige Faktoren sind niedrige Energiekosten, gute Infrastruktur und die Integration in weltweite Lieferketten, sagt Christina Otte, Deputy Director Ostasien der Germany Trade & Invest (GTAI), der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Bundes. Mit der Initiative der Neuen Seidenstraße (Belt and Road) unterstützt China Infrastrukturprojekte wie neue Straßen, Schienen, Brücken oder Pipelines.
In welchen Wirtschaftsbereichen und Regionen investieren deutsche Unternehmen besonders gerne?
Deutsche Direktinvestitionen in China beliefen sich allein 2025 auf rund sieben Milliarden Euro. Spitzenreiter ist die Automobilindustrie. Beispiele sind das neue Volkswagenwerk in der Provinz Anhui und der weltweit größte Produktionsstandort des BMW-Konzerns, das Joint Venture BMW Brilliance Automotive in Shenyang. Weitere investitionsstarke Branchen sind die chemische Industrie und der Maschinenbau. Derzeit baut der deutsche Chemiekonzern BASF in Zhanjiang sein größtes Werk außerhalb von Ludwigshafen, es soll im März 2026 eröffnet werden.
Regional sind deutsche Unternehmen vor allem im ostchinesischen Yangzi-Delta, also in den Provinzen Jiangsu, Zhejiang und Shanghai vertreten, sowie in der Greater Bay Area rund um Shenzhen und Hongkong. Dort ist rund ein Viertel aller deutschen Unternehmen in China ansässig. „Weitere wichtige Schwerpunkte sind die Hauptstadtregion mit Beijing und Tianjin sowie die Provinz Sichuan und Chongqing“, sagt Christina Otte. Grund für die regionale Konzentration sind nicht nur infrastrukturelle Vorteile, sondern auch die qualifizierten Arbeitskräfte in China.
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Einverständniserklärung öffnenWo liegen die Herausforderungen für deutsche Unternehmen?
Vor allem der Preisdruck ist laut Geschäftsklimaumfrage 2025/2026 der Deutschen Auslandshandelskammer Greater China eine Herausforderung. Auch die schwache Binnennachfrage in China sowie der „Buy China“-Trend, also lieber chinesische als ausländische Produkte zu kaufen, sind Hemmnisse. Ebenfalls bedeutend seien die geopolitischen Unsicherheiten wie die Spannungen mit den USA und Chinas Exportbeschränkungen bei seltenen Erden, so Otte.
China hat in Sachen Arbeitnehmerschutz in den letzten Jahren stark nachgeschärft.
Was bedeutet das Lieferkettengesetz für chinesische Partner?
„Das deutsche Lieferkettengesetz verpflichtet deutsche Großunternehmen seit 2023 und mittlere Unternehmen seit 2024 auch bei den Zulieferern auf die Einhaltung der Menschenrechte, der Umweltgesetze und Arbeitsbedingungen zu achten – und damit sind auch die chinesischen Zulieferer indirekt betroffen und verpflichtet, Audits, Zertifizierungen und strengere Verträge zu akzeptieren“ erklärt Christina Otte. Doch funktioniert das auch? „In der Umsetzung ist das nicht immer einfach“, sagt Stefan Geiger, „bisher sehen wir hier jedoch keine größeren Probleme.“
Wie steht es um den Arbeitnehmerschutz in China?
Es mag überraschend sein, doch „der Kündigungsschutz ist in China teils strenger als in Deutschland“, betont Stefan Geiger. Regionale Mindestlöhne liegen oft über den üblichen Löhnen der Nachbarländer und werden regelmäßig angepasst, dazu kommen Überstundenregelungen und Probezeitschutz, denn „China hat in Sachen Arbeitnehmerschutz in den letzten Jahren stark nachgeschärft“, so Christina Otte. Und sie betont: „Die meisten deutschen Unternehmen zahlen in China deutlich über dem Mindestlohn.“