Erfolgsmodell Bioenergiedorf

Deutschland hat ehrgeizige Ziele für den Ausbau erneuerbarer Energien. Wir stellen Projekte vor, die die Energiewende praktisch fördern. deutschland.de-Serie „Energiewende“, Teil 5.

picture-alliance/Peter Kneffel

Der Ruf von Jühnde reicht weit – sogar bis in die USA oder nach Japan. Fans der Energieproduktion aus Biomasse pilgern in den Ort im Bundesland Niedersachsen, der „Deutschlands erstes Bioenergiedorf“ ist: Die erste Kommune, die den kompletten Bedarf an Strom und Wärme durch regenerative Energieträger aus der eigenen Region deckt. Inzwischen gibt es viele Nachahmer.

Zentrum der grünen Energieversorgung in dem Dorf im Norden Deutschlands ist eine Biogasanlage. Sie wird mit Mais, Weizen und Gerste von früher brachliegenden Äckern sowie Gülle aus einem Viehzuchtbetrieb betrieben. Die Rohstoffe liefern nach der Vergärung den Brennstoff für einen Gas-Motor, der Strom produziert und dessen Abwärme zur Beheizung der Häuser im Dorf genutzt wird. Voraussetzung dafür war der Bau eines Nahwärmenetzes, das seit 2005 im Betrieb ist. Die Mehrheit der 1000 Einwohner von Jühnde hat die früher üblichen Ölheizungen abgeschafft und bezieht die Wärme nun durch eine Übergabestelle im Keller. Bei besonders kalten Wintertagen wird in der Anlage ein zusätzliches Holzschnitzel-Heizwerk angeworfen.

Die Idee für ein „Bioenergiedorf“ hatten Wissenschaftler der Universität Göttingen gehabt, die Bundesregierung unterstützte die Umsetzung mit Fördermitteln. Das genossenschaftlich betriebene Heizkraftwerk produziert doppelt soviel Strom, wie im Dorf verbraucht wird. Der Rest wird ins Netz eingespeist. Zudem ist das Heizen mit Bio-Nahwärme günstig, ein durchschnittlicher Haushalt spart pro Jahr rund 750 Euro. Genossenschafts-Vorstand Eckhart Fangmeier glaubt: „Das Konzept kann im Grundsatz für alle Dörfer mit genügend Fläche mit Biomasse-Anbau funktionieren.“

Tatsächlich gibt es in Deutschland inzwischen bereits mehr als 80 Dörfer, die das Jühnde-Modell übernommen haben. Das Bundeslandwirtschaftsministerium, das einen Preis für die besten Konzepte ausschreibt und 2012 erstmals drei Dörfer prämierte, sieht sie als „Vorreiter der Energiewende“.

www.wege-zum-bioenergiedorf.de

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