Urban Farming mitten in Berlin

Obst und Gemüse aus ehemaligen Fabrikhallen: Urban Farming hält Einzug in Deutschlands Städte.

INFARM – Indoor Urban Farming GmbH

Paprika, Auberginen, Salatköpfe und Barsche gedeihen zwischen den Backsteinmauern eines ehemaligen Industriegeländes im Süden von Berlin. Hier, in der Nähe des Szeneviertels Tempelhof, hat im Frühjahr 2015 die nach eigenen Angaben größte Innenstadtfarm Europas eröffnet. Auf dem Gelände einer alten Malzfabrik will das Unternehmen ECF auf 1800 Quadratmetern jährlich 25 Tonnen Barsche züchten und zudem noch 30 Tonnen Gemüse produzieren. „Aquaponik“ nennt sich das neue System, ein Kunstwort, das abgeleitet ist von Aquakultur für Fischzucht und Hydroponic für Pflanzenzucht. Laut Experten ist es eine vielversprechende Neuentwicklung, die in einem geschlossenen Kreislauf Gemüse- und Fischzucht miteinander kombiniert – mit kurzen Wegen zum Verbraucher.

Auf der Suche nach neuen, nachhaltigen Formen der Nahrungsmittelproduktion setzen Forscher und Start-ups in Deutschland auf verschiedene Ansätze des Urban-Farming. In Berlin ist die Szene der neuen Innenstadt-Bauern besonders aktiv. Im Bezirk Kreuzberg experimentiert etwa die Firma „Infarm“, ein Start-up junger Israelis, mit hängenden Gärten in einem Loft.

Gemüse im Fußball-Stadion?

Während beim Urban-Gardening die Städter Gemüse nur für den Hausgebrauch auf ehemaligen Brachflächen oder in klassischen Kleingärten anbauen, geht es den Urban-Farmern um unternehmerische Lebensmittelproduktion und damit auch um wirtschaftlichen Erfolg. Noch können die Start-Ups keine Massen versorgen, sehr wohl aber für neue Impulse sorgen. Und das nicht nur in Metropolen wie in Berlin. Projekte gibt es landesweit. Etwa in Neuenburg am Rhein. Hier wurde im Umfeld der baden-württembergischen Landesgartenschau ein Hightech-Gewächshaus für ein Aquaponik -Projekt gebaut. Und in Freiburg, der süddeutschen Hochburg der Umweltbewegung, sorgt die Idee eines jungen Kreativen für den Stadionneubau des Fußballclubs SC Freiburg für Schlagzeilen. „Fußballfarm Freiburg“ nennt der 33-jährige Jens Platen seinen Vorschlag für eine Aquaponik-Farm für das Stadiondach. „So kurios, wie sich das anhört, ist es eigentlich gar nicht“, sagte er der Badischen Zeitung. Gemüseanbau oben auf dem Dach, Tomaten, Salate, Kräuter; darunter große Aquarien zur Fischzucht und Fußball dann im Erdgeschoss. Darüber staunen nicht nur die Freiburger.

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