Wohin führt der Weg?

Europäische Unternehmen haben in China derzeit schlechte Aussichten. Aber einen Hoffnungsschimmer gibt es doch.

Auf dem Bund in Shanghai: Wohin führt der Weg?
Auf dem Bund in Shanghai: Wohin führt der Weg? dpa

Noch im Februar äußerte sich die Hälfte der Teilnehmer einer Umfrage zum Geschäftsklima für europäische Firmen in China optimistisch. Die EU-Unternehmer rechneten mit einem guten Wachstum. Sie dachten, das Corona-Virus verlängere höchstens die Ferien nach dem chinesischen Neujahr um ein, zwei Wochen und dann normalisiere sich das Wirtschaftsleben wieder.

„Navigating in the Dark“: Studie von Roland Berger
„Navigating in the Dark“: Studie von Roland Berger

„Wie sehr sich die Zeiten verändert haben“, heißt es lakonisch in der im Sommer erschienenen Studie, die die Unternehmensberatung Roland Berger im Auftrag der EU-Handelskammer in China erstellt hat. Denn ein halbes Jahr später weiß niemand, wie es weitergehen wird.  Die ausländischen Firmen „tappen im Dunkeln“ sagte Charlotte Roule, die Vizepräsidentin der EU-Handelskammer in China,  bei der Vorstellung der Umfrage in Peking.

Die Ungewissheit sei sehr groß. „Lieferketten sind unterbrochen, die Nachfrage bricht ein, und die Aussichten sind düster“, fasste Roule die Situation zusammen. Problematisch sei auch, dass sich die chinesische Regierung noch stärker als vor der Krise schon auf chinesische Staatsunternehmen stütze. Für diese würden scheinbar andere Regeln gelten und sie verdrängten ausländische und private Firmen zunehmend vom Markt.

Die größten Sorgen macht den europäischen Unternehmen der wirtschaftliche Abschwung. Im ersten Quartal brach die chinesische Wirtschaft um 6,8 Prozent ein. Weil die Konjunktur weltweit zurückgeht, Lieferketten unterbrochen sind und China keine normalen Visa mehr für ausländische Fachkräfte vergibt, sei es für sie unmöglich, einen normalen Betrieb aufrecht zu erhalten, berichten viele Umfrageteilnehmer.

Den seit zwei Jahren andauernden Handelskrieg der USA mit China nannten die Umfrageteilnehmer als zweite große Belastung. Denn von Spionage oder Zöllen sind zum Beispiel auch deutsche Autobauer, die in den Vereinigten Staaten für den chinesischen Markt produzieren, betroffen.

Hoffnungsschimmer Investitionsschutzabkommen

Ein Lichtblick in dieser düsteren Wirtschaftslage könnte das angestrebte Investitionsschutzabkommen zwischen Europa und China sein. Davon erhoffen sich europäische Unternehmen eine weitere Öffnung des Markts, weniger Diskriminierung im Vergleich zu chinesischen Firmen sowie transparente Genehmigungsprozesse. Da der EU-China-Gipfel 2020 wegen Corona abgesagt wurde, laufen die Verhandlungen über Videokonferenzen weiter.  

„Wir wünschen uns sehr ein bedeutsames Investitionsabkommen“, sagte Roule. Bis Jahresende könnte ein Abkommen zustande kommen. Doch es melden sich bereits erste enttäuschte Stimmen aus Industrie und Politik: China mangele es am Willen zur Einigung. So würde sich die Volksrepublik weder an das Prinzip der Wechselseitigkeit halten noch einheitliche Rahmenbedingungen für alle Unternehmen schaffen.

Immerhin: Die Wirtschaft hat in China im September  wieder angezogen. Das Vorkrisenniveau ist zwar noch nicht erreicht. Aber der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert für China im Jahr 2021 ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum von 8,2 Prozent. Davon dürften auch die europäischen Unternehmen profitieren

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