Unternehmen übernehmen Verantwortung

Umwelt, Bildung, Gesundheit, Familie, Inklusion: Wie sich deutsche Firmen in China sozial engagieren.

Mitarbeiter von Vorjahressieger BASF in China
Mitarbeiter von Vorjahressieger BASF in China BASF

Die deutschen Handelskammern in China haben zusammen mit der Bertelsmann Stiftung und dem Deutschen Generalkonsulat in Shanghai fünf deutsche Projekte für ihr soziales Engagement in China ausgezeichnet. Für den „More Than A Market Award“, der seit 2015 jährlich verliehen wird, hatten sich knapp über 100 Unternehmen mit insgesamt 500.000 Mitarbeitern beworben. Das sind mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze, die deutsche Firmen in China geschaffen haben. Gerade in Zeiten schwieriger werdender politischer Beziehungen zeigt die Initiative, wie viele positive Impulse von enger wirtschaftlicher Zusammenarbeit ausgehen können.

Die Gewinner 2019

In der Kategorie „Kleinunternehmen“ (1 bis 500 Beschäftigte) wurde das Projekt Taicang Inclusion Factory ausgezeichnet. Die 700.000 Einwohner-Stadt in der Nähe Shanghais gilt als Hotspot für deutsche Unternehmen, besonders für den Mittelstand. 2015 entstand dort auf Initiative von etwa 80 deutschen Firmen die Taicang Inclusion Factory, ein professionelles Arbeitsumfeld für Menschen mit Behinderungen, bislang landesweit das einzige seiner Art. Inzwischen kooperiert Taicang Inclusion Factory mit dem Unternehmen Flex. An dessen Standort Zhuhai wurde im Oktober 2018 das Projekt Mechanical Inclusive Factory (MIF) gestartet, eine Produktionseinheit, die Menschen mit geistigen Behinderungen beschäftigt. Flex Zhuhai beschäftigt rund 40.000 Mitarbeiter und ist einer der wichtigsten Zulieferer für den Smartphone-Hersteller Huawei.

Die Auszeichnung in der Kategorie „Mittelgroße Unternehmen“ (500 bis 5.000 Beschäftigte) erhielt der deutsche Hausgerätehersteller E.G.O. An seinem Standort Taicang bietet die Firma seit 2016 ein Sommercamp für die Kinder von Wanderarbeiternehmern aus ländlichen Regionen. Aufgrund der oft großen Entfernungen zwischen Arbeitsplatz und Heimatstadt sehen diese ihre arbeitenden Eltern in der Regel nur einmal im Jahr, zu den Ferien um das chinesische Neujahrsfest. Das sechswöchige Sommercamp während der Schul-Sommerferien soll dabei helfen, Familien wieder stärker zusammenzuführen. Die hohe Arbeitsmobilität gilt als eine der größten sozialen Herausforderungen Chinas. Über ein Drittel der arbeitenden Bevölkerung des Landes ist betroffen.

Der Preis in der Kategorie „Großunternehmen“ (mehr als 5.000 Beschäftigte) ging an Siemens China und sein I-Green-Education-Programm. Ziel ist es, die Kinder von Wanderarbeitnehmern in den Grundschulen ländlicher Regionen dabei zu unterstützen, das Bewusstsein für Umweltschutz zu schärfen und dazu beizutragen, die nach wie vor großen Bildungsungleichheiten zwischen Stadt und Land auszugleichen. Seit 2018 kooperiert Siemens mit Bildungsinstitutionen und Universitäten. Studenten können sich zu I-Green-Experten ausbilden lassen und ihr Wissen im Rahmen von Workshops an Grund- und Mittelschulen weitergeben. Seit dem Start im Jahr 2009 haben bereits mehr als 20.000 Schüler von dem Programm profitiert.

In der 2019 zum ersten Mal vorgestellten Kategorie „Umweltschutz“ erhielt Henkel China einen Preis für sein Projekt Flying Hope. Damit möchte das Unternehmen das speziell in China dringliche Problem des Artensterbens angehen. Durch die große Dynamik und Dimension, mit der sich das Land urbanisiert und industrialisiert, stehen immer mehr Tiere vor dem Aussterben. Flying Hope widmet sich dem Schutz einer speziellen Vogelart, dem sogenannten Löffelstrandläufer, der im Sumpfland des Yangtse-Mündungsdeltas heimisch ist. Dazu finanziert Henkel Feldstudien und sucht den Kontakt zu Gemeinden vor Ort, insbesondere zu Fischern.

In der ebenfalls neuen Kategorie „Passion & Potential” entschied sich die Jury noch einmal für das Thema Inklusion. Prämiert wurde die deutsche Schule Shanghai-Hongqiao. Sie hat gemeinsam mit der Kinderhilfsorganisation Mifan Mama ein Programm namens Illumine + entwickelt, das sich speziell an Kinder aus armen Haushalten richtet und die Prävention, Behandlung und Rehabilitation von Sehbehinderungen fördern will. Dazu entsendet die Schule Freiwillige in ländliche Regionen Chinas, um dort – begleitet von medizinischem Fachpersonal – Schulen, Krankenhäuser und NGOs zu besuchen und medizinische Check-ups umzusetzten oder sogar Operationen zu veranlassen.

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