„Flipped Classroom“: Lernen am Laptop

Unterricht auf Youtube? Professor Martin Bonnet macht es mit Erfolg vor. So funktioniert das Konzept.

Flipped Classroom: Hier wird das Sofa zum Hörsaal.
Flipped Classroom: Hier wird das Sofa zum Hörsaal. dpa

Deutschland. Martin Bonnet sieht seine Studierenden schon noch gerne. Aber die Vorstellung, dass sich hunderte von ihnen jeden Morgen in die Straßenbahn Richtung TH Köln setzen, „nur um mir zuzuhören“, erschien dem Professor für Werkstofftechnik seltsam. Er meint: „Die Zeit an der Hochschule kann man sinnvoller nutzen: in Interaktion, in Anwendung dessen, was man gelernt hat.“

So funktioniert das Konzept „Flipped Classroom“

Bonnet setzt auf das Konzept „Flipped Classroom“. Auf Deutsch nennt man es auch „umgedrehten Unterricht“. Die Studierenden können sich die Lerninhalte auf Video in ihrem eigenen Rhythmus und Tempo aneignen; etwa zuhause am Laptop. Sie können das Video anhalten, vor- und zurückspulen – bis der Lernstoff sitzt.
 

Bonnet betreibt den Youtube-Kanal „Welt der Werkstoffe“ – und hat den Erfolg seiner Studierenden erhöht. Zu Deutschlands größter Boulevard-Zeitung „Bild“ sagte er: „Bevor ich mit den Videos angefangen habe, ist etwa die Hälfte der Studenten durch die Prüfungen gefallen. Jetzt sind es nur noch zehn Prozent.“

Digitalisierung der Hochschullehre

Die neue Lehre geht mit neuen Aufgaben einher – für Studierende wie für Professoren. Das Hochschulforum Digitalisierung sieht letztere stärker in „begleitender und ermöglichender Funktion“. Die Wissensvermittlung verteilt sich auf mehrere Rollen: Mediendidaktiker unterstützen bei der didaktischen Gestaltung der Lehre, Programmierer bauen die technische Infrastruktur, Lehrassistenten können Gruppen von Studierenden betreuen und durch angeleitete Peer-Reviews können Studierende selbst einen Teil der Leistungsüberprüfung ihrer Kommilitonen übernehmen.“

Bonnet hat dazugelernt: Das Zentrum für Lehrentwicklung an der TH Köln brachte ihn auf die Idee, Wissen auf Video zu vermitteln. Der Professor sagt aber auch: „Das Medium Video muss auch zum Fach und zur Lehrperson passen.“ Was er damit meint, veranschaulicht seine nicht ganz ernst gemeinte Typologie von Professoren: vom Energydrinks konsumierenden „krankhaft Junggebliebenen“ bis zum „Softie“, der gemeinsam mit Studierenden nach verlorengegangenen Klausurpunkten sucht.