„Richtungsweisende Erkenntnisse“

Virologin Sandra Ciesek über die neue Aufmerksamkeit für ihr Fach, herausragende Errungenschaften und ihre Hoffnung für die Zukunft.

Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek
Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek dpa

Professorin Sandra Ciesek leitet das Institut für medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt am Main. In einem Podcast des Senders NDR informiert sie mit ihrem Kollegen Christian Drosten Millionen Menschen in Deutschland über aktuelle Themen rund um das Covid-19-Virus.

Frau Professorin Ciesek, Ihr Fach und Ihre Person stehen seit einem Jahr im Fokus der Öffentlichkeit. Hätten Sie damit gerechnet?
Dass es früher oder später zu einer Pandemie mit weitreichenden Folgen für die Weltgesundheit kommt, und dass hierfür ein Virus verantwortlich sein wird, damit hat man in Fachkreisen eigentlich schon gerechnet. Dass so ein Jahrhundertereignis aber unmittelbar bevorsteht, das habe ich auch im Januar 2020 nicht erwartet, als es erste Berichte einer neuen Lungenkrankheit aus Wuhan gab. In meinem Alltag ist seither kaum noch etwas wie zuvor.

Die herausragendste Errungenschaft aus Deutschland ist die Entwicklung des mRNA-Impfstoffes durch Biontech.

Sandra Ciesek, Virologin

Welches Resümee ziehen Sie aus dem vergangenen Jahr, was die Virologie in Deutschland angeht? Und was sind die herausragenden Errungenschaften in Bezug auf die Covid-19-Pandemie?
Ich glaube, dass mein Fachgebiet in Deutschland noch nie so sehr im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand. Die medizinische Virologie ist ein kleines Fach, man kennt die Kolleginnen und Kollegen und ihre Schwerpunkte. Nun haben sich alle virologischen Institute mit demselben Erreger beschäftigt, die Zusammenarbeit hat prima funktioniert und war sehr bereichernd. Die herausragendste Errungenschaft aus Deutschland war bei der Pandemie meiner Meinung nach die Entwicklung des mRNA-Impfstoffes durch Biontech.

Wie bewerten Sie den Forschungsstandort Deutschland im Hinblick auf das Fach Virologie und die Covid-19-Pandemie?
In der Covid-19-Forschung spielen die Virologen in Deutschland international gesehen eine bedeutende Rolle. Durch fächerübergreifende Zusammenarbeit konnten Erkenntnisse zur Molekularbiologie, Immunologie aber auch zu klinischen Aspekten bei Covid-19 gewonnen werden. Aber auch in anderen Bereichen wie zum Beispiel den viralen Hepatitiden oder HIV haben deutsche Virologen jenseits von Corona richtungsweisende Erkenntnisse gewonnen.

Was erhoffen Sie sich von den kommenden zwölf Monaten?
Ich hoffe, dass es gelingen wird, in den kommenden Monaten zunächst allen Menschen mit hohem Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf eine Impfung anbieten zu können, und dass sich so die Anzahl der Todesfälle rasch reduzieren wird. Anschließend hoffe ich sehr, dass sich das Leben für alle schrittweise wieder normalisiert, wenn die Anzahl der immunen Personen steigt. Ich freue mich schon auf den ersten Einkaufsbummel in der Stadt ohne Mundschutz.

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