Im Geiste großer Namen

Die Historikerin Jill Lepore und der Internetpionier Paul Ginsparg wurden Ende 2021 in Deutschland besonders geehrt.

Erzählt lebendig von der Vergangenheit: Jill Lepore
Erzählt lebendig von der Vergangenheit: Jill Lepore Dari Michele

Die Preisverleihungen fanden pandemiebedingt per Video-Schalte statt, doch das sollte ihren Wert nicht schmälern: Die Harvard-Dozentin Jill Lepore erhielt den Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken der Heinrich-Böll-Stiftung und der Stadt Bremen im Dezember 2021. Bereits im November 2021 wurde Lepores Landsmann Paul Ginsparg mit dem erstmals verliehenen Einstein Award zur Qualitätssicherung in der Forschung ausgezeichnet. Auch wenn die Historikerin Lepore und den Physiker Ginsparg auf den ersten Blick nicht viel zu verbinden scheint: Mit ihrer Arbeit leisten sie Wertvolles weit über ihre Fachgebiete hinaus.

Jill Lepore: Geschichte für die Gegenwart

Nach seinem großen Erfolg in Amerika zählt es auch in Deutschland zu den gefeierten Geschichtsbüchern: Jill Lepores monumentales, rund 1.000 Seiten starkes Werk „Diese Wahrheiten“ über die Geschichte der USA. Nur ein Beispiel für die zahlreichen, überaus positiven Kritiken in Deutschland: Paul Nolte, Historiker an der Freien Universität Berlin, nennt „Diese Wahrheiten“ die „spannendste und tiefgründigste, die souveränste und eleganteste, kurz die beste Geschichte der USA, die es im Moment gibt – amerikanische Geschichte für die neuen Fragen des beginnenden 21. Jahrhunderts“. Laut der Jury des Hannah-Arendt-Preises gelingt es Lepore, eine politische und ganzheitliche Darstellung der amerikanischen Geschichte zu präsentieren; nicht etwa, um „Mastermind-Urteile über das Vergangene zu fällen, sondern um die Gegenwart für eine breite Öffentlichkeit verständlicher werden zu lassen“. Wie Arendt scheut Jill Lepore als Intellektuelle zudem nicht den öffentlichen Diskurs und ist in den USA wie in Deutschland eine gefragte Gesprächspartnerin.

Paul Ginsparg: Wissenschaft für die Weltgemeinschaft

Wie kommt was an die Öffentlichkeit? In der Wissenschaft hat Paul Ginsparg Entscheidendes zur Beantwortung dieser Frage beigetragen und dafür den erstmals vergebenen „Einstein Foundation Award for Promoting Quality in Research“ erhalten. Die Berliner Einstein Stiftung fühlt sich dem Andenken Albert Einsteins und seiner Bedeutung für Wissenschaft und Gesellschaft verpflichtet. Beide Bereiche hat Paul Ginsparg mit seiner Gründung von arXiv.org im Jahr 1991 verändert. Die Website archiviert Vorab-Publikationen zu Forschungsergebnissen, die noch keinen Begutachtungsprozess eines Wissenschaftsjournals durchlaufen haben. Die Ergebnisse können transparent diskutiert und verglichen werden. Außerdem können Forschende dort zusätzlich Originaldaten, Computersimulationen und andere Details frei zugänglich zur Verfügung stellen. Damit ist arXiv.org zum Vorbild für eine Reihe solcher Plattformen in nahezu allen Bereichen der Wissenschaft geworden, die auch wesentlich zur Bekämpfung der Corona-Pandemie beitragen.