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Warum spielt Wissenschaft in Deutschland eine so große Rolle?

An der Berliner Charité entstand eine Forschungskultur, die Deutschland bis heute prägt. Ihre Geschichte zeigt auch, warum Forschung ethische Grenzen braucht.

12.08.2026Stefanie HardickStefanie Hardick

Kısa kısa en önemlisi

Berlin 19. Yüzyılda tıbbi araştırmanın merkezi olmuştu. Charité’de Rudolf Virchow, Robert Koch ve Emil von Behring çalışıyordu.

Eskiden araştırma ve ekonomi iç içeydi. Siemens ve Schering gibi şirketler bilim ile kol kola tıbbi aparatlar, ölçüm yöntemleri ve ilaçlar geliştiriyordu.

Rudolf Virchow modern patolojiye yön veriyordu. Charité’deki preparat koleksiyonu onun döneminde 1.500’den 23.000 objeye ulaşmıştı.

Virchow sağlığı toplumsal bir görev olarak görüyordu. Hastalıklar, fakirlik ve kötü yaşam koşulları arasındaki ilişki araştırıyor ve daha iyi hijyenik koşullar için çalışmalar yapıyordu.

Berlin sağlık altyapısını modernize ediyordu. İçme suyu tedariki, kanalizasyon ve merkezi bir kesimhane, halkın enfeksiyon hastalıklarına karşı korunmasına yardımcı oluyordu.

NS Dönemi, bilimsel sorumluluğa bakışı değiştirmişti. Doktorlar ve bilim insanları zorunlu kısırlaştırma, hastaların öldürülmesi ve insan deneylerine katılıyordu. Bugün Charité bu suçları ve kurbanlarını da anıyor.

Was hat eine Bratwurst mit Spitzenforschung zu tun? 

Stell dir vor, du bist auf einem Straßenfest in Deutschland. Du bestellst eine Bratwurst und ein kühles Getränk mit Eiswürfeln. Wahrscheinlich fragst du dich weder, ob das Fleisch unbedenklich ist, noch ob das Wasser sauber war. Genau das macht den Unterschied: Für die meisten Menschen in Deutschland ist sichere Nahrung heute selbstverständlich. Dahinter stehen jedoch nicht nur strenge Kontrollen und Hygienevorschriften, sondern auch mehr als 150 Jahre wissenschaftlicher Forschung. 

Seit wann spielt Wissenschaft in Deutschland eine so große Rolle? 

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Berlin zu einem der weltweit führenden Zentren der medizinischen Forschung. An der Charité arbeiteten Mediziner wie Rudolf Virchow, Robert Koch und Emil von Behring. Sie veränderten den Blick auf Krankheiten grundlegend: Statt sie nur zu behandeln, wollten sie ihre Ursachen verstehen und Epidemien verhindern. Ihre Forschung machte die Charité weltweit bekannt und prägte die moderne Medizin bis heute. 

Weil preußische Könige sehr machtbewusst waren und häufig Krieg führten, investierten sie zunächst in die Ausbildung von Militärärzten, später auch in die medizinische Forschung.
Nathalie Stelmach. Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité

Warum wurde Berlin zum Labor der modernen Medizin?

Die Stadt zog Forschende aus dem gesamten damaligen Deutschen Reich an. „Berlin war ein Schmelztiegel“, sagt Nathalie Stelmach, Leiterin der Abteilung Bildung und Vermittlung im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité. Gerade für Medizinerinnen und Mediziner bot die preußische Hauptstadt gute Bedingungen. Ein Grund dafür lag laut Stelmach in der Politik der preußischen Könige: „Weil preußische Könige sehr machtbewusst waren und häufig Krieg führten, investierten sie zunächst in die Ausbildung von Militärärzten, später auch in die medizinische Forschung.“

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts arbeiteten außerdem Berliner Unternehmen wie Siemens und Schering eng mit der Forschung zusammen. Sie entwickelten medizinische Apparate, Messverfahren und Medikamente. So entstand in Berlin eine neue wissenschaftliche Kultur: Krankheiten systematisch erforschen, Erkenntnisse kritisch überprüfen und sie gemeinsam mit Universitäten, Staat und Unternehmen in die Praxis übertragen. Was an der Charité entstand, blieb kein Berliner Erfolgsmodell. Die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft, Staat und Industrie wurde zu einem Kennzeichen des Wissenschaftsstandorts Deutschland – und prägt ihn bis heute.

Was hat das mit Bratwurst und Trinkwasser zu tun?

Mehr, als man auf den ersten Blick vermutet. Zwischen 1860 und 1880 verdoppelte sich die Einwohnerzahl Berlins auf 1,3 Millionen. Hunderttausende Menschen lebten in unhygienischen Wohnverhältnissen, oft ohne Kanalisation und sauberes Trinkwasser. In den Hinterhöfen der Mietskasernen wurde geschlachtet, Abfälle landeten in der Gosse und Krankheitserreger konnten sich leicht über verunreinigtes Wasser und Lebensmittel verbreiten. Die Folgen sahen die Ärztinnen und Ärzte der Charité jeden Tag: Cholera, Typhus, Ruhr und andere Infektionskrankheiten. Einer dieser Ärzte war Rudolf Virchow. Er wollte diese Krankheiten nicht nur behandeln, sondern ihre Ursachen verstehen und verhindern, dass sie überhaupt ausbrechen.

Wie ist Rudolf Virchow vorgegangen?

Virchow untersuchte nicht nur einzelne Patientinnen und Patienten. Er sammelte Daten, besuchte die besonders betroffenen Stadtviertel und fragte, warum sich Krankheiten überhaupt ausbreiteten. Gleichzeitig begründete er die moderne Pathologie – also die Lehre, die krankhafte Veränderungen in Geweben, Zellen und Organen untersucht, um die Erkrankungen zu verstehen. Und er baute an der Charité eine einzigartige Präparatesammlung auf. „Als Virchow an die Charité kam, gab es hier nur 1.500 Präparate, am Ende waren es 23.000“, erzählt Nathalie Stelmach. „Und das Besondere: Diese Sammlung war schon vor 150 Jahren öffentlich.“

Für Virchow endete Wissenschaft nicht im Labor. Sie sollte das Leben der Menschen verbessern. Er war überzeugt, dass Krankheiten nicht allein medizinische Ursachen haben, sondern eng mit Armut, mangelnder Bildung und schlechten Lebensbedingungen zusammenhängen. Virchow und andere Reformkräfte setzten sich deshalb dafür ein, dass Gesundheit eine öffentliche Aufgabe ist. Mit Erfolg: Berlin baute als eine der ersten europäischen Großstädte eine moderne Trinkwasserversorgung, Kanalisation und einen zentralen Schlachthof – Maßnahmen, die Millionen Menschen vor Krankheiten schützten.

Warum spielen ethische Argumente in Deutschland so eine große Rolle, zum Beispiel bei der Stammzellforschung, bei Organspenden oder bei Künstlicher Intelligenz?

Virchow und andere Mediziner der Charité machten die Medizin immer leistungsfähiger. Krankheiten konnten besser verstanden, Erreger nachgewiesen und neue Therapien entwickelt werden. Doch mit den Möglichkeiten der Wissenschaft wuchs auch ihre Verantwortung. Gerade in der Zeit des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 versagten viele Ärzte und Wissenschaftler in diesem Punkt: Sie beteiligten sich an den Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes, sterilisierten Frauen gegen ihren Willen, ermordeten psychisch kranke Menschen und führten grausame Menschenversuche durch. Die Aufarbeitung begann erst Jahrzehnte später. Seit 2013 erinnert die Charité mit einem Gedenkort an Täter und Opfer sowie an die vielen jüdischen Ärztinnen, Ärzte und Forschenden, die verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden.

Diese Erfahrung aus der Zeit des Nationalsozialismus prägt Deutschland bis heute: Wissenschaft braucht nicht nur Freiheit, sondern auch klare ethische Grenzen. Deshalb werden Fragen der Forschungsethik – von der Stammzellforschung bis zur Künstlichen Intelligenz – besonders intensiv diskutiert.