Pioniere der Naturwissenschaften

Nobelpreisträger in Physik und Chemie 2021: die deutschen Forscher Klaus Hasselmann und Benjamin List im Porträt.

Nobelpreisträger 2021: Klaus Hasselmann (links) und Benjamin List
Nobelpreisträger 2021: Klaus Hasselmann (links) und Benjamin List picture alliance/dpa

Physik-Nobelpreis 2021: Klaus Hasselmann, Visionär der Klimaforschung

Das Wetter ist ein chaotisches System. Das gilt nicht nur für Extremereignisse wie Stürme oder Starkregen, sondern ganz grundsätzlich. Der deutsche Forscher Klaus Hasselmann hat dieses Chaos schon vor Jahrzehnten analysiert und damit auch wesentlich zu unserem Verständnis von Klimakatastrophen beigetragen.

Wie Syukuro Manabe aus den USA und Giorgio Parisi aus Italien erhält Hasselmann den Physik-Nobelpreis 2021 für Arbeiten zu chaotischen und scheinbar zufälligen Phänomenen. Der gebürtige Hamburger, langjähriger Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in seiner Heimatstadt, machte schon in den 1970er-Jahren deutlich, dass Klimamodelle verlässlich sein können, selbst wenn das Wetter extrem wechselhaft ist. Hasselmanns Leistung veranschaulicht die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften mit einem Bild: Ein Hund an einer Leine mag noch so sehr im Zickzackkurs unterwegs sein, er bleibt in Beziehung zum Menschen, der mit ihm spazieren geht – und das Wetter bleibt bei allen Schwankungen in Beziehung zum Klima. Hasselmanns Kunststück war ein stochastisches Klimamodell, das die Schwankungen in belastbare Aussagen übersetzte.

Fand früh mahnende Worte zum Klimawandel: Klaus Hasselmann
Fand früh mahnende Worte zum Klimawandel: Klaus Hasselmann picture alliance/dpa

Hasselmann wies auch den menschlichen Einfluss auf das Klima nach und mahnte etwa bereits 1988: „In 30 bis 100 Jahren, je nachdem, wie viel fossiles Brennmaterial wir verbrauchen, wird auf uns eine ganz erhebliche Klimaänderung zukommen. Klimazonen werden sich verschieben, Niederschläge anders verteilen. Dann wird man nicht mehr von Zufallsergebnissen reden können.“

Chemie-Nobelpreis 2021: Benjamin List, Baumeister der Moleküle

Auf Katalysatoren kommt es an: bei der Schadstoffreduzierung im Auto, aber auch besonders in der chemischen Forschung. Deren Fachwelt ging lange von lediglich zwei Arten von Katalysatoren aus, von Metallen und Enzymen. Dann kamen der Deutsche Benjamin List und der Schotte David MacMillan und schafften im Jahr 2000, unabhängig voneinander, einen sensationellen Durchbruch.

Wie MacMillan war Benjamin List erst Anfang 30, als ihm die große Entdeckung gelang. Am amerikanischen Scripps Research Institute in La Jolla fand List heraus, dass die Aminosäure Prolin als außergewöhnlich effizienter Katalysator chemische Reaktionen enorm beschleunigen kann. Mit dem Molekül lässt sich unkompliziert und kostengünstig arbeiten – und es ist ökologisch sinnvoll. List und MacMillan wurden zu Vätern der „Organokatalyse“. Diese hat die pharmazeutische Forschung wesentlich vorangetrieben und die Chemie umweltfreundlicher gemacht.

Benjamin List feiert den Nobelpreis mit Mitarbeitern
Benjamin List feiert den Nobelpreis mit Mitarbeitern picture alliance/dpa

Benjamin List ist 2003 nach Deutschland zurückgekehrt und arbeitet seitdem am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, seit 2004 ist er zudem Honorarprofessor an der Universität Köln. Mit seinem Forschungsteam treibt er weiter die Entwicklung der „perfekten chemischen Reaktion“ voran, die ohne giftige Lösungsmittel und extreme Temperaturen auskommt.