Der neue ESA-Chef Johann-Dietrich Wörner

Johann-Dietrich Wörner, bisher Leiter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), wechselt an die Spitze der Europäischen Weltraumagentur ESA.

dpa/Oliver Berg - Johann-Dietrich Wörner

„Der Mensch hat es in den Genen, neugierig zu sein“, sagt Johann-Dietrich Wörner. Ihren ultimativen Ausdruck findet diese menschliche Eigenschaft in der Raumfahrt. Nicht nur auf Erden jeden Stein umdrehen, sondern bis zu den Sternen reisen: Das ist das Anliegen internationaler Astronauten – und der Traum vieler junger Menschen auf der ganzen Welt. Auch Wörner erinnert sich, dass er als Kind gemeinsam mit dem Vater in den Sternenhimmel blickte. Raumfahrer wurde der heute 60-Jährige dann zwar doch nicht – ihre Arbeit aber prägt er entscheidend mit. Und wenn man so will, tritt auch Wörner dieser Tage in eine neue Sphäre ein: Der bisherige Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR) wird Chef der Europäischen Weltraumagentur ESA.

22 Mitgliedsländer – und Kanada

Das DLR hatte zuletzt immer wieder von sich reden gemacht – vor allem mit der erfolgreichen Mission von Alexander Gerst auf der Internationalen Raumstation ISS. Doch in kaum einem anderen Bereich ist länderübergreifende Zusammenarbeit heute so wichtig wie in der Raumfahrt. Einzelne Staaten und deren Organisationen können die teuren Projekte nicht stemmen – der europäischen Kooperation kommt deshalb große Bedeutung zu. Die ESA hat 22 Mitgliedsländer, Kanada ist assoziiertes Mitglied. „Meine Aufgabe wird sein, sie alle mitzunehmen“, so Wörner im Interview mit dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Mit dem Physiker Reimar Lüst stand zuletzt von 1984 bis 1990 ein Deutscher an der Spitze der ESA.

Wörner, geboren in Kassel, ist ein erfahrener Wissenschaftler und Forschungsmanager. Er hat Bauingenieurwesen studiert und während seiner Promotion zwei Jahre in Japan gelebt. Er lehrte an der Technischen Universität Darmstadt, bevor er 1995 Präsident der Hochschule wurde. Seit 2007 leitete er das DLR, das in dieser Zeit enorm gewachsen ist: von 5.000 auf mehr als 8.000 Mitarbeiter.

Eines der Themen, die Wörner in seiner neuen Funktion bei der ESA beschäftigen werden, ist die Zukunft der Raumstation ISS. Bislang eine Kooperation von Europa, Kanada, Russland, Japan und den USA, kann Wörner sich für die Station auch neue Bündnisse vorstellen, etwa mit China und Indien. Kurz vor seinem Antritt sorgte er zudem für Aufsehen mit dem Vorschlag, eine Forschungsstation auf dem Mond zu errichten, die die ISS ersetze. Die Neugier, sie ist grenzenlos.

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