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AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund © 德新社
Landtagswahl

AfD siegt in Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalt beschert der AfD einen Erdrutschsieg, jedoch keine absolute Mehrheit. Kann die im Land als rechtsextremistisch eingestufte Partei trotzdem regieren?

03.09.2026

Magdeburg (dpa/d.de) - Die AfD hat mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit großem Vorsprung gewonnen, die absolute Mehrheit aber verpasst. Die CDU mit Ministerpräsident Sven Schulze kommt mit herben Verlusten auf Platz zwei.

Mit der AfD könnte eine vom Landesverfassungsschutz in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei in einem Bundesland an die Macht gelangen – sie bräuchte dafür aber Unterstützer. Ob es ihr gelingen kann, etwa einzelne Abgeordnete anderer Fraktionen für die Wahl Siegmunds zum Ministerpräsidenten zu gewinnen, ist unklar. Eine Koalition mit der AfD hatten die übrigen Parteien im Landtag vor der Wahl ausgeschlossen.

AfD verdoppelt ihr Ergebnis – CDU stürzt ab

Die AfD kann laut vorläufigem Ergebnis ihren Stimmenanteil auf 43,8 Prozent (2021: 20,8) mehr als verdoppeln. Die CDU stürzt ab auf 17,2 Prozent (37,1). Die Linke verliert leicht und kommt auf 8,6 Prozent (11). Die SPD kann sich mit 9,3 Prozent (8,4) auf niedrigem Niveau verbessern. Die Grünen klettern auf 8,9 Prozent (5,9). Die FDP fliegt mit 2,6 Prozent (6,4) aus dem Parlament. Das BSW bekommt 5,3 Prozent.

Im Landtag in Magdeburg erhält die AfD demnach 39 Sitze (2021: 23), die CDU 15 (40). Die Linke kommt auf 8 Mandate (12), die SPD ebenfalls auf 8 (9) und auch die Grünen erhalten 8 Sitze (6). Das BSW stellt 5 Abgeordnete.

Was bedeutet ein starkes AfD-Ergebnis in Sachsen-Anhalt für Deutschland?

Die Landtagswahl verändert zunächst nur die Machtverhältnisse in einem von 16 Bundesländern. Das kleine ostdeutsche Bundesland Sachsen-Anhalt hat 2,1 Millionen Einwohner; zum Vergleich: Nordrhein-Westfalen hat rund 18 Millionen. Auch als stärkste Partei wird die AfD nicht automatisch die Landesregierung führen: Den Ministerpräsidenten wählt der Landtag. Die Länder sind vor allem für Bildung, Kultur und Polizei zuständig; die für ganz Deutschland relevanten Politikfelder wie Außen- und Verteidigungspolitik sind Bundessache. Hierauf haben die Landesregierungen keinen Einfluss.

Wer ist die AfD?

Die Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) wurde 2013 während der Eurokrise gegründet. Anfangs vor allem eurokritisch und wirtschaftsliberal, verlagerte sie ihren Schwerpunkt später auf die Themen Migration und nationale Identität – und rückte deutlich nach rechts. Seit 2017 ist die AfD im Bundestag vertreten. Bei der Bundestagswahl 2025 verdoppelte sie ihren Stimmenanteil auf 20,8 Prozent. In aktuellen bundesweiten Umfragen liegt sie durchschnittlich bei 27,9 Prozent (Stand: 2. September 2026). Alle übrigen Fraktionen im Bundestag – CDU/CSUSPDGrüne und Linke – grenzen sich klar von der AfD ab und schließen eine politische Zusammenarbeit mit ihr aus.

Ist die AfD rechtsextrem?

Juristisch muss genau unterschieden werden: Die Bundespartei darf vom Bundesamt für Verfassungsschutz als Verdachtsfall beobachtet werden; diese Einstufung ist rechtskräftig. Die Hochstufung der Gesamtpartei zu einer „gesichert rechtsextremistischen Bestrebung“ darf das Amt nach einem Beschluss des Verwaltungsgerichts Köln vom Februar 2026 vorläufig nicht verwenden. Anders in Sachsen-Anhalt: Dort stuft der Landesverfassungsschutz den AfD-Landesverband seit Oktober 2023 als gesichert rechtsextremistische Bestrebung ein. Die AfD klagt gegen diese Einstufung.
Die mögliche Einleitung eines Verfahrens zum Verbot der AfD wird in Deutschland seit Jahren diskutiert.

Warum ist die AfD besonders im Osten stark?

Eine einfache Erklärung gibt es nicht. Der Deutschland-Monitor 2025 zeigt jedoch besonders in strukturschwachen ostdeutschen Regionen geringeres Institutionenvertrauen und stärkere Gefühle von Benachteiligung. Zugleich ist wichtig: 98 Prozent der Befragten befürworten die Demokratie als Staatsform. Mit ihrem tatsächlichen Funktionieren waren im Osten allerdings nur 51 Prozent zufrieden. 

Welche Rolle spielt die wirtschaftliche Lage?

Sachsen-Anhalts Wirtschaft schrumpfte 2025 real um 0,2 Prozent, das verarbeitende Gewerbe um 1,8 Prozent; auch die Erwerbstätigkeit ging zurück. In einer repräsentativen Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen Ende August 2026 nannten 22 Prozent die Wirtschaftslage und 17 Prozent die Arbeitslosigkeit als wichtigstes Thema im Land; Bildung und Schule kamen ebenfalls auf 17 Prozent. Migration bleibt ein wichtiges politisches Konfliktthema, rangierte in dieser jüngsten Erhebung aber nicht unter den drei meistgenannten Problemen.

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