Raus aus der Filterblase

Die Schriftstellerin Juli Zeh lebt in einem Dorf in Brandenburg, fernab vom Berliner Kulturbetrieb. Das ist auch gut so, sagt sie.

Schriftstellerin Juli Zeh
Schriftstellerin Juli Zeh Peter von Felbert

Mit ihrem Roman „Unterleuten“ hat sie der Provinz sogar ein Denkmal gesetzt: Juli Zeh, Schriftstellerin und Juristin, bekannt für ihren meinungsstarken Einsatz in gesellschaftspolitischen Debatten. Seit fast 15 Jahren lebt sie in einem kleinen Ort in Brandenburg. Während die Dorfgesellschaft in ihrem Buch „Unterleuten“ ziemlich angespannt daherkommt, kann die Autorin persönlich dem Landleben viel abgewinnen. Im Kurz-Interview mit deutschland.de erzählt sie, warum – und was dennoch fehlt.

Frau Zeh, der Umzug von Leipzig aufs Land sei für Sie „eine Befreiung“ gewesen, haben Sie mal gesagt. Inwiefern?

Zum einen habe ich hier viele Möglichkeiten der Selbstverwirklichung, also größere Freiheiten für meine Kinder und meine Tiere. Zum anderen habe ich die städtisch-akademische Filter-Bubble verlassen. Ich lerne hier Menschen kennen und befreunde mich mit ihnen, die ich in der Stadt niemals getroffen hätte, weil man dort immer nur aneinander vorbeigeht.

Als Schriftstellerin möchte ich am normalen Leben teilnehmen.

Juli Zeh

Mancher könnte meinen, dass man als erfolgreiche Kreative doch eigentlich in Berlin „sein muss“ – nah an anderen Künstlern, an Verlagen, Netzwerken. Wie gelingt es, sich in Brandenburg nicht abgeschnitten zu fühlen vom Kulturbetrieb?

Ich fühle mich hier sogar ziemlich abgeschnitten vom Kulturbetrieb, und das hat große Vorteile. Mir bleibt mehr Zeit für mein Schreiben. Außerdem schreibe ich ja nicht für den Kulturbetrieb, sondern für „normale“ Menschen. Da ist es gut, auch am normalen Leben teilzunehmen.

In Deutschland haben – wie in vielen anderen Ländern – die Großstädte eine enorme Anziehungskraft. Aber auch die Mittelstädte gewinnen, der Umzug aufs Dorf ist eher selten. Wie könnte das Landleben wieder attraktiv werden?

Das Problem in der Provinz ist der eklatante Mangel an Infrastruktur. Es gibt zu wenig Schulen, zu wenig Ärzte, zu wenig Busse und Regionalbahnen. Das macht das Leben hier sehr schwierig. Daran muss sich dringend etwas ändern, damit Deutschland flächendeckend bewohnbar wird.

Interview: Helen Sibum

© www.deutschland.de

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