„Ein bisschen wilder“

Tamer Jandali eröffnet mit „easy love“ die „Perspektive Deutsches Kino“ auf der Berlinale 2019 und erfindet dabei ein neues Genre.

Tamer Jandali am Set von „easy love“
Tamer Jandali am Set von „easy love“ Hieronymus Rönneper

Das Berlinale-Programm bezeichnet Tamer Jandalis „easy love“ als dokumentarischen Spielfilm. In dem Eröffnungsfilm für die „Perspektive Deutsches Kino“ geht es um den Umgang mit der Liebe. Der Clou: Die Darsteller sind keine Schauspieler, sondern sieben junge Frauen und Männer aus Köln, die Jandali über vier Monate begleitet hat.

Herr Jandali, was ist die Idee hinter Ihrem Film „easy love“?

Wir wollten eine neue Form finden, die Wirklichkeit darzustellen, aber keinen normalen Dokumentarfilm machen. Wir haben uns gefragt, wie man noch anders eine Wahrheit finden kann. Wir wollten keine Schauspieler, wir wollten echte Menschen. Und mit denen zusammen die Geschichten entwickeln. Wir mussten überhaupt erst mal Leute finden, die bereit waren, sich so in dem Film zu offenbaren. So viel aus ihrem Leben preiszugeben, Wünsche und Abgründe offenzulegen. Das war gar nicht so leicht.

„easy love” zeigt Menschen, keine Schauspieler
„easy love” zeigt Menschen, keine Schauspieler Janis Mazuch

Wie würden Sie das Genre Ihres Films nennen?

Für die Berlinale haben wir es einen dokumentarischen Spielfilm genannt. Die Schauspieler spielen sich selbst. Die Grundessenz ist das Echte.

Was ist für Sie das Besondere an der deutschen Filmszene?

Vieles funktioniert einfach gut. Zum Beispiel Abläufe und Abmachungen. Dinge, die man allgemein an Deutschland schätzt. Hochwertige, gute Arbeit, jeder hat seine Sachen drauf und macht es richtig.

Ich hoffe, dass Deutschland ein bisschen mutiger wird.

Filmemacher Tamer Jandali

Um den Namen der Sektion, in der Ihr Film startet, aufzugreifen: Welche Perspektive haben Sie auf das deutsche Kino?

Ich find’s gut, dass die Berlinale unseren Film für das Festival ausgewählt hat. Sie setzt damit ein Zeichen dafür, mutige neue Sachen auszuprobieren – und auch neue Wege zu zeigen, wie man Geschichten erzählen kann. Ich hoffe, dass Deutschland auch mutiger wird. Ein bisschen wilder. Und experimentierfreudiger.

Worauf freuen Sie sich am meisten auf der Berlinale?

Den Film einem großen Publikum zu zeigen. Er ist wie ein kleiner Diamant, den man in sich trägt. Er arbeitet noch nach. Es ist schön, dass sich die Arbeit für alle Beteiligten gelohnt hat.

Interview: Philipp Hallfahrt

Tamer Jandali mit Kameramann Janis Mazuch
Tamer Jandali mit Kameramann Janis Mazuch Chris Becher

Tamer Jandali, Jahrgang 1976, wurde in Bonn geboren und wuchs dort auf. Seine Vater ist Syrer, er war Botschaftssekretär, seine Mutter ist Deutsche. Als Tamer sieben Jahre alt war, ging seine Familie nach Kairo, wo er die Deutsche Evangelische Oberschule besuchte. Mit 13 Jahren kam er zurück nach Deutschland und besuchte ein Internat. Später hat er als Heilpraktiker und Eventmanager gearbeitet, bevor er an der Kunsthochschule für Medien in Köln studierte und den Film für sich entdeckte. Seit 2011 arbeitet er als Regisseur. Nebenbei ist er als „Hausmann“, wie er sagt, für seine drei Kinder zuständig.

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