Die „Infodemie“ eindämmen

Mythen, Gerüchte, Falschinformationen: Welche Rolle sie in der Corona-Krise spielen und wie man sie erkennt.

Falschinformationen zur Corona-Pandemie verbreiten sich schnell.
Falschinformationen zur Corona-Pandemie verbreiten sich schnell. picture alliance / SvenSimon

Vor einer „Infodemie“ warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie meint damit: Falschinformationen zur Corona-Pandemie verbreiten sich so rasant wie das Virus. Fünf Fragen und Antworten zum Thema.

Wie schlimm ist es?

„Wir sehen einen Anstieg von verschiedensten Formen von Missinformation, Desinformation, Mythen oder einfach blankem Unsinn“, sagt Lutz Güllner, Leiter Strategische Kommunikation beim Europäischen Auswärtigen Dienst im Podcast der Bundesregierung. Falschinformationen verbreiteten sich bis zu sechs Mal schneller als Fakten. „Je dramatischer die Information und je aufreizender verpackt, desto interessanter wird sie.“

Gibt es ein Muster?

„Es gibt eine übergeordnete Erzählung von der Unfähigkeit der Demokratien, mit der Krise fertig zu werden“, so Güllner. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Untersuchung des Reuters Institute der University of Oxford, an der der deutsche Medienwissenschaftler Felix Simon beteiligt war. „Irreführende oder falsche Behauptungen über das Handeln von Behörden, Regierungen und internationalen Organisationen stellen mit 39 Prozent der Beiträge unserer Stichprobe die größte Kategorie dar.“

Woher kommen die Fake News?

Das Spektrum reicht von Äußerungen einzelner Verschwörungstheoretiker bis zu staatlich gelenkter Desinformation. Entscheidend ist die Wirkung: So kamen beispielsweise nur 20 Prozent der vom Reuters Institute untersuchten Beiträge von Politikern oder anderen bekannten Personen. Sie wurden aber besonders oft geteilt.

Wie erkennt man Falschinformationen?

Lutz Güllner nennt drei Kriterien. Erstens: die Quelle. Nutzer sollten nachsehen, woher genau die Information stammt. Zweitens: der Inhalt. Falschinformationen würden oft als absolute Wahrheit präsentiert, ohne Gegenmeinungen anzuführen. Drittens solle man sich fragen: „Werde ich gezielt angesprochen, weil ich besonders aktiv in bestimmten Gruppen bin? Wird hier eine Information in Zusammenhang gebracht mit meinem persönlichen Interesse? Dann sollten die Alarmglocken läuten.“

Was hilft gegen die „Infodemie“?

Einen wichtigen Beitrag leisten Redaktionen von Zeitungen und Sendern sowie Recherche-Netzwerke mit ihren Faktenchecks. Auch in Deutschland gibt es zahlreiche solcher Dossiers, etwa von Correctiv.

© www.deutschland.de

Du möchtest regelmäßig Informationen über Deutschland bekommen? Hier geht’s zur Anmeldung: