Die Zukunft der Medien

Werden Algorithmen den klassischen Journalismus ersetzen? Das sagen Experten für digitale Medien dazu.

Die Zukunft der Medien
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Wie sich Mediennutzung in Deutschland wandelt und welche Risiken mit digitalen Medien einhergehen, sagen uns zwei Experten, einer aus der Wissenschaft und einer aus dem Digitalmarketing: Carsten Reinemann ist Professor für Kommunikationswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, Manfred Klaus ist Geschäftsführer von Plan.Net, einer der führenden deutschen Digitalagenturen.

Carsten Reinemann, Professor für Kommunikationswissenschaften an der LMU München
Carsten Reinemann, Professor für Kommunikationswissenschaften an der LMU München dpa

Gibt es deutsche Besonderheiten bei der Mediennutzung?

Carsten Reinemann: Soziale Medien spielen in Deutschland eine geringere Rolle als in anderen Ländern. Das macht Deutschland – etwa im Vergleich zu den USA – weit weniger anfällig gegenüber Manipulationsversuchen von Akteuren, die besonders über diese Kanäle versuchen, Wahlen zu beeinflussen und Zwietracht zu sähen.

Manfred Klaus: In Deutschland haben die klassischen Medienmarken noch immer ein starkes Gewicht – auch die Print-Marken, die mehr oder weniger erfolgreich den Schritt nach „Digitalien“ gemeistert haben. Allerdings neigt Deutschland dazu, überkommene Geschäftsmodelle auf Kosten von Innovation zu zementieren – das Leistungsschutzrecht ist ein besonders eklatantes Beispiel.

Manfred Klaus, Geschäftsführer der Plan.Net Gruppe
Manfred Klaus, Geschäftsführer der Plan.Net Gruppe Serviceplan

Welche Risiken bringen digitale Medien mit sich?

Reinemann: Es besteht die Gefahr, dass sich Menschen von hochwertiger Information abwenden. Sei es, dass sie sich in all den schönen Unterhaltungsangeboten verlieren. Sei es, dass sie vor der Vielfalt und Widersprüchlichkeit im Netz kapitulieren. Sei es, dass sie nur ihre eigenen Weltanschauungen bestätigt sehen wollen. Wir müssen das Ideal der Informiertheit und des Hörens anderer Meinungen fördern – schon in der Schule.

Klaus: Es gibt immer mehr Anbieter von Content. Die unüberschaubare Vielfalt und die Wahlmöglichkeit überfordern den Medienkonsumenten. Aus werblicher Sicht zeigt sich der Trend, dass diese Masse an Inhalten von immer weniger Unternehmen kapitalisiert wird: Google, Apple, Facebook und Amazon. Eine Oligopol-Bildung ist eine Bedrohung für den Werbemarkt.

Wie sehen Sie die Zukunft der Medien?

Reinemann: Seriöse journalistische Medien sind für mich die Medien der Zukunft – denn sie werden bei der Fülle von Quellen, Halbwahrheiten und Fake-News im Netz immer wichtiger.

Klaus: Medienmarken werden deutlich an Bedeutung verlieren: Intelligente Algorithmen werden den Nutzern die Inhalte ausspielen, die für sie relevant sind, auf den dazu passenden Kanälen.

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