Der gleiche Sternenhimmel

Bei dem deutsch-israelischen Kreativfestival geht es ums Verlieren und Wiederfinden, um gleiche Himmel und eine gemeinsame Zukunft.

Bilder aus Deutschland und Israel, die uns an Gemeinsamkeiten erinnern.
Bilder aus Deutschland und Israel, die uns an Gemeinsamkeiten erinnern. Evgeni Tcherkasski & Alex Savenok

Wer träumt nicht vom Sternenhimmel über Israel, einem ersten Date mit romantischem Abendessen im Hotel und einem energiegeladenen Tanzkurs? Doch Corona macht vielen schönen Dingen des Lebens einen Strich durch die Rechnung. Das digitale Festival „People to People Playground“ des Deutsch-Israelischen Zukunftsforums (DIZF) macht all das jetzt trotzdem möglich – zumindest beinahe. Das internationale und virtuelle Festival läuft bis zum 7. Mai und ermöglicht es Kooperationspartner aus Deutschland und Israel, miteinander zu experimentieren und kreative Ideen umzusetzen. Täglich kann man Schauspielkursen besuchen, Podcasts und Fotoausstellungen erkunden und an Workshops teilnehmen. Jedes Projekt des Festivals hat Vertreter dieser beiden Länder. „Wir haben das Festival den ‚People to People Playground‘ genannt, da die Idee ist, trotz Corona einen spielerischen und kreativen Austausch zu ermöglichen“, sagt Organisatorin Tal Alon. „Deshalb haben wir, als das Reisen zu einer großen Herausforderung wurde, beschlossen, Stipendien in Höhe von bis zu 1000 Euro für digitale Kreativ-Abenteuer zu vergeben und die Resonanz war überwältigend.“

Kultureller Austausch durch deutsch-israelische Kreativ-Abenteuer

Das Festival startete mit einer entspannten Wohnzimmer-Party, auf der die Zuschauerinnen und Zuschauer lernen, wie man auch an nicht so groovigen Tagen seinen Rhythmus findet. Bei der deutsch-israelischen Fotoausstellung „Unter dem gleichen Sternenhimmel“ geht es um Gemeinsamkeiten. „Auch wenn alle Menschen in verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und geografischen Begebenheiten leben, leben wir jedoch alle unter dem gleichen Sternenhimmel. Und trotz der Unterschiede befinden wir uns alle auf einem kleinen Planeten in unendlichen Weiten des Universums“, so die Künstler Evgeni Tcherkasski aus Deutschland und Alex Savenok aus Israel auf Facebook.

Auch der Deutsche Johannes Frick und der Israeli Ran Oz sind auch unter den Teilnehmenden. Obwohl sie sich nicht persönlich kennen und über 3000 Kilometer entfernt leben, werden sie auf dem Festival ihr erstes Date haben – live auf Instagram. „Wir haben beide ein Hotelzimmer in unserer jeweiligen Stadt reserviert und werden uns dort bei einem gemeinsamen Abendessen besser kennenlernen”, erklärt Johannes. Und ergänzt: „Nichts muss, aber alles ist möglich”. Die Liebe ist für viele, und besonders junge Menschen ein schwieriges Unterfangen während der Pandemie. „Es war die schwierigste Zeit meines Lebens, ich habe eine Depression bekommen und Dating war einfach kein Thema,” sagt Ran, der in Tel Aviv lebt. „Am Ende entscheiden die Zuschauer, ob so ein privater Moment zu Kunst werden kann oder es egozentrische künstlerische Ausbeutung ist”, so Johannes. Ob die beiden, die noch nie das Land des anderen besucht haben, am Ende auch im echten Leben aufeinandertreffen, bleibt abzuwarten. Johannes, der die Idee für dieses Kreativ-Abenteuer hatte, gibt die Hoffnung nicht auf: „Man kann die Liebe überall finden!”

Wir wollen zum Nachdenken anregen, gemeinsam diskutieren, träumen, lachen.

Naama Berman, Schauspielerin aus Tel Aviv

Was man (wieder)finden kann, muss man erst mal verloren haben – und genau darum dreht es sich in dem digitalen Workshop von Naama Berman aus Tel Aviv und Michael Wehren, der in Leipzig lebt. „The art of losing” (dt. Die Kunst des verlieren) heißt das Kreativ-Abenteuer, das die beiden Theater-Schauspieler konzipiert haben. „Es gibt Tausende von Geschichten darüber, wie man etwas Verlorenes wiederfindet: Sei es eine vermisste Person, ein Schatz oder nur die Autoschlüssel. Und zugegebenermaßen war das Jahr 2020 ein verlorenes Jahr. Ein Jahr, in dem Menschen mit dem Verlust von Menschenleben, aber auch mit dem Verlust von Arbeitsplätzen, Zukunftsplänen und Hoffnungen konfrontiert waren und immer noch sind,” sagt die Israelin.

Mit ihrer Performance wollen sie vor allem eins herausfinden: „Während es eine Kunst des Findens gibt, haben 2020 und Anfang 2021 gezeigt, dass in der Popkultur, in der Politik und in unserem Privatleben offensichtlich eine Kunst des Verlierens fehlt,” sagt Michael. „Gemeinsam mit den Teilnehmenden untersuchen wir verschiedene Aspekte von Verlust und verlieren. Wir wollen zum Nachdenken anregen, gemeinsam diskutieren, träumen, lachen und herausfinden, ob eine Kunst des Verlierens überhaupt möglich ist.“ Naama möchte aber noch mehr herausfinden: „Wenn es um Verlust geht, ist es einerseits eine universelle menschliche Erfahrung, andererseits ist es eine individuelle Erfahrung, mit der jeder anders umgeht. Wir sind sowohl an den Unterschieden als auch an den Ähnlichkeiten dieser kollektiven weltweiten Erfahrung interessiert.“

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