Kanadas Kultur zu Gast

2020 und 2021 präsentiert sich Ehrengast Kanada auf der Frankfurter Buchmesse. Fünf Fragen und Antworten zu einem außergewöhnlichen Auftritt.

Kanadas Literaturstar Margaret Atwood (M.) auf der Buchmesse 2019.
Kanadas Literaturstar Margaret Atwood (M.) auf der Buchmesse 2019. Karsten Thormaehlen

Was verbindet kanadische Literatur mit Deutschland?

Margaret Atwood, Kanadas populärste literarische Stimme der Gegenwart, begann ihren Roman „Der Report der Magd“ 1984 als Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD, unter dem Eindruck der im Kalten Krieg geteilten deutschen Hauptstadt. Anne Carson, die wie Atwood schon als Favoritin für den Literaturnobelpreis galt, hat keinen so persönlichen Bezug zu Deutschland, hielt aber erst im Sommer 2020 ihre vielbeachtete „Berliner Rede zur Poesie“. Übrigens: In der Rangliste der Länder mit den größten Bibliotheksbeständen von Literatur aus oder über Kanada liegt Deutschland auf Rang zwei, zwar deutlich hinter den USA, aber noch vor Großbritannien und Australien.

Was bedeutet die Corona-Pandemie für Kanadas Buchmesse-Auftritt?

Bereits seit den 1990er-Jahren gab es Gespräche zu Kanada als Ehrengast der weltweit wichtigsten Buchmesse. Die Entscheidung für Kanada als Gastland 2020 fiel im Jahr 2016. Die komplette Absage für die Buchmesse 2020 stand wegen der Corona-Pandemie im Raum, doch entschieden sich Gastland und Veranstalter für eine größtenteils digitale Präsenz – und für einen erneuten Auftritt Kanadas 2021.

Was bietet Kanada auf der Frankfurter Buchmesse 2020?

Online wird unter anderem ein 60-minütiges Exklusivgespräch mit Margaret Atwood präsentiert, ebenso literarische Dokumentationen. Darin widmen sich Autorinnen und Autoren sowie Illustratorinnen und Illustratoren den Themen Kunst angesichts der Krise („Hope Against Despair“), vielfältige Identitäten und schriftstellerisches Schaffen („We Contain Multitudes“) und dem Zusammenspiel von Worten und Bildern („Picture Perfect“).

Welche Veranstaltungen gibt es jenseits der Literatur?

Kanadische Kunst ist anlässlich der Buchmesse in mehreren Frankfurter Ausstellungen präsent, teilweise sogar bis ins Jahr 2021 hinein. Das Weltkulturen Museum präsentiert zum Beispiel ein Filmprojekt mit drei First-Nations-Künstlern: Weberin Meghann O'Brien, Schnitzer Tom Hunt und Rap-Musikerin Christie Lee Charles. Im Museum für Kommunikation widmet sich die Ausstellung „#Feedback 5: Global Warning!“ den Beziehungen des großen kanadischen Medientheoretikers Marshall McLuhan zur Kunst.

Was plant Kanada für die Buchmesse 2021?

2021 soll es endlich den physischen Gastland-Pavillon mit zahlreichen Verlagsständen und Autorinnen und Autoren geben. Stéphane Dion, Kanadas Botschafter in Deutschland, betonte vor Kurzem in einem Interview: „2021 wird für uns dann das ganz große Jahr. Dann werden mehr als 200 Bücher aus Kanada ins Deutsche übersetzt und dem deutschen Lesepublikum zugänglich gemacht sein. Es ist eine aufstrebende, facettenreiche Literatur, die die Leserinnen und Leser erwartet. Viele neue Titel sind schon in diesem Jahr im Buchhandel.“

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