Unabhängiger Journalismus gegen Fake News

Global Media Forum 2019: DW-Intendant Peter Limbourg im Deutschland-Interview.

DW-Intendant Peter Limbourg
DW-Intendant Peter Limbourg DW/M. Müller - DW-Intendant Peter Limbourg

Journalisten und Vertreter von Politik und Zivilgesellschaft aus aller Welt werden beim Global Media Forum der Deutschen Welle (DW) am 27. und 28. Mai über Herausforderungen durch Populismus und Digitalisierung debattieren. Drei Fragen an den DW-Intendanten Peter Limbourg.

Herr Limbourg, das Motto des Global Media Forum 2019 lautet „The role of media in an age of shifting powers“. Welche Kräfte haben sich verschoben?

Auf dem diesjährigen Global Media Forum werden wir die Auswirkungen von Machtveränderungen auf der ganzen Welt diskutieren. Der Journalismus muss sich neuen Herausforderungen stellen. Populisten und Autokraten streuen ihre Botschaften und streben nach der Macht über die Medien. Die Meinungsfreiheit und der freie Informationsfluss leiden unter dieser Entwicklung. Gleichzeitig dominieren die großen Plattformen und beeinflussen immer mehr auch die Realität des Journalismus.

„Fake News“ ist zum Totschlagargument in der öffentlichen Debatte geworden. Wie wirkt sich das auf den Journalismus aus?

Nicht fundierte Berichte oder gefälschte Nachrichten lassen sich vor allem über die Sozialen Medien ungehemmt verbreiten. Deren Urheber behaupten, Perspektiven zu vertreten, die nicht von den „traditionellen“ Medien abgedeckt oder angeblich absichtlich verdeckt werden. Daher bieten sie ihrem Publikum eben „alternative facts“ an.

Wir halten täglich dagegen – mit unabhängigen, verifizierten Nachrichten und Informationen. Die Deutsche Welle unterstützt Journalistinnen und Journalisten auf der ganzen Welt dabei, ihre wichtige Arbeit ungehindert zu tun, indem sie sich für Meinungs- und Pressefreiheit und die Sicherheit der Kolleginnen und Kollegen einsetzt. Die DW Akademie ist ein führender Partner beim Aufbau tragfähiger Mediensysteme und setzt Standards in der Journalistenausbildung.

Wir Journalisten sind heute mehr denn je gefordert, objektiv zu informieren und Tatsachen in einen Kontext zu stellen.

DW-Intendant Peter Limbourg

Wenn heute ein einziger Tweet sekundenschnell die Welt in Aufregung versetzen kann – können Medien überhaupt noch ihrer Aufgabe des objektiven Berichtens und Einordnens gerecht werden?

Wir Journalisten sind heute mehr denn je gefordert, objektiv zu informieren und Tatsachen in einen Kontext zu stellen. Das ist eine komplexe und oft mühselige Aufgabe angesichts der zahllosen Störfaktoren im Netz. Trotz aller Gefahren, die die Sozialen Medien mit sich bringen, möchte ich aber auch ihre positiven Seiten betonen. Richtig angewandt, bieten sie uns Nutzern die Möglichkeit, immer öfter gute journalistische Inhalte zu konsumieren und die Welt aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Unsere Demokratie lebt von dieser Meinungsvielfalt.

Global Media Forum 2019, 27. und 28. Mai, Bonn

Interview: Tanja Zech

© www.deutschland.de