Ist das der Job der Zukunft?

Mit Internet-Videos Geld verdienen – eine neue Akademie in Berlin bildet Influencer aus. Wie deren Job die Wirtschaft verändert.

Influencer: Youtuberin Finja und Svea
dpa

Deutschland. Wie gute Freunde führen sie Modetrends vor, empfehlen Kosmetikprodukte und Lebensmittel oder schwärmen von einer tollen Urlaubsreise: Influencer sind Menschen, die wegen ihrer starken Präsenz und ihres hohen Ansehens in sozialen Netzwerken die Meinung anderer beeinflussen können. Das macht sie interessant für die Wirtschaft. Jetzt kann sich sogar zum Influencer ausbilden lassen. Ein Interview mit Sascha Schulz, einem der Gründer der Influencer Marketing Academy (IMA) in Berlin.

Herr Schulz, Sie haben im September 2017 die erste deutsche Influencer Marketing Academy mitbegründet. Wie kamen Sie auf die Idee?

Die Resonanz auf das Angebot ist beeindruckend. Wir haben offenbar den Nerv der Zeit getroffen. Wir haben die IMA als eine neue Akademie bei unserem Karriere- & Gründerzentrum ecomex etabliert, weil Influencer Marketing das „traditionelle“ Online Marketing in den letzten zwei Jahren als eine ernstzunehmende und hochwirksame Disziplin erweitert hat. Bei ecomex haben wir seit über zehn Jahren Erfahrung mit Wissensvermittlung rund um Digitalisierung. Wir haben gesehen, dass beim Social Media Influencing auf beiden Seiten Weiterbildungsbedarf besteht – sowohl bei Unternehmen als auch bei Bloggern, YouTubern und weiteren Akteuren. Deutsche Unternehmen sind mit Influencer Marketing noch extrem zurückhaltend, die meisten regionalen und lokalen Betriebe verstehen scheinbar nicht das Potenzial. Das ist im Ausland anders.

IMA-Gründer Sascha Schulz und Niko Martzy
IMA-Gründer Sascha Schulz und Niko Martzy IMA

Wir haben den Nerv der Zeit getroffen

Sascha Schulz, Mitgründer der Influencer Marketing Academy in Berlin

Was macht den Job als Influencer so attraktiv?

Influencer schätzen es, ihre Passion zur Erstellung von Text- und Bildinhalten frei ausleben zu können. Sie schätzen die Ungebundenheit, die Kreativität. Vor 20 Jahren hätten viele von ihnen sicherlich Journalisten oder Verleger werden wollen. Heute ist „Self Publishing“ in Social Media Networks angesagt. Wie bei anderen Medien auch sind Kooperationen mit der Wirtschaft eine Möglichkeit, die eigene Tätigkeit zu refinanzieren.

Ist der Beruf des Influencers überhaupt tragfähig?

Nur wenige Influencer meistern ihre komplette Lebenshaltung damit. Die meisten betreiben Influencing nebenberuflich oder betrachten es als „Hobby mit Benefits“.

Welche Voraussetzungen sind für die Ausbildung nötig?

Influencer-Publikationen basieren auf Authentizität. Grundvoraussetzung ist ein glaubwürdig ausgelebtes Eigeninteresse. Wir können in unserer Akademie das Handwerkszeug für die Erstellung spannender Inhalte lehren und die rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen vermitteln. Aber die Projektidee muss vom künftigen Influencer kommen.

Auf der Firmenseite machen wir Marketingexperten und „Beziehungsmanager“ fit für die Zusammenarbeit mit Influencern.

Was sind die wichtigsten Tipps für eine erfolgreiche Influencer-Karriere?

Der Anteil bezahlter Kooperationen an allen Posts sollte ein Viertel bis ein Drittel nicht übersteigen, sonst geht das zu Lasten der Glaubwürdigkeit. Eine Kooperation muss zum Profil des Influencers passen. Die visuelle Kommunikation darf nicht konstruiert wirken, sonst ist das peinlich für Influencer und Marken. Content Creation in sozialen Medien bedeutet, einzigartige Texte, Bilder und Filme mit einer persönlichen Note zu schaffen. Nichts aus der Konserve, sondern echtes Storytelling. Das ist auf Dauer die größte Herausforderung. Es ist auch wichtig, die vielfältigen rechtlichen Rahmenbedingungen zu kennen und zu beachten, zum Beispiel zur Kennzeichnung von Kooperationen, Impressum, Datenschutz, Urheberrecht und Markenrecht.

Wäre es für Sie nicht besser gewesen, einen Influencer damit zu beauftragen, die Academy bekannter zu machen, als dieses Interview zu führen?

Social Media Influencer, Journalisten und Medienhäuser sind eine perfekte Ergänzung und sorgen für ein pluralistisches Meinungsbild in einer Gesellschaft. Über viele spannende Innovationen, Marken und Dienstleistungen würde ein Verlag nie berichten – und ein Influencer allein könnte nie die Breite und Tiefe an Informationen liefern.

Interview: Martin Orth

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