Einsatz für das Weltkulturerbe

Freiwillig auf der Baustelle: Junge European Heritage Volunteers erzählen, was sie an ihrer Arbeit begeistert. 

Kulturerbe erhalten: Ein internationales Freiwilligenteam am Werk.
Kulturerbe erhalten: Ein internationales Freiwilligenteam am Werk. dpa

Deutschland. Das Europäische Kulturerbejahr 2018 soll den kulturellen Reichtum und die Vielfalt Europas ins Bewusstsein bringen. Die Bundesregierung unterstützt 38 Projekte und Initiativen mit 7,2 Millionen Euro. Eines der Leuchtturmprojekte ist die Organisation European Heritage Volunteers mit Sitz in Weimar. Sie kümmert sich seit mehr als zwei Jahrzehnten um Kulturerbeprojekte in Europa – oft um solche, die weniger im Fokus stehen. Volunteers erzählen, warum es ihnen Freude macht, geschichtsträchtige Bauten vor dem Verfall zu bewahren und sich für Europas Kulturerbe zu engagieren.

Jason Paulos (28) aus Kanada

„Seit meiner Kindheit begeistere ich mich für alles, was alt und historisch ist. Das verdanke ich meinen Eltern, die mich in Kanada und auf Reisen schon sehr früh auf Architektur mit Geschichte aufmerksam gemacht haben. Als Volunteer auf der Burg Lohra in Thüringen konnte ich richtig mit anpacken. Ich bin ausgebildeter Zimmermann und fand es fantastisch, an der Renovierung eines Gebäudeensembles aus dem 12. Jahrhundert mitzuarbeiten. Wir waren ein tolles Team und arbeiteten Hand in Hand bei der Dacherneuerung. Meine Kollegen habe ich als sehr zugewandt, warm und freundlich erlebt. Neben der Arbeit konnte ich die deutsche Kultur kennenlernen – auch die grandiosen Thüringer Würste. Vor der Reise nach Deutschland hatte ich Zweifel, ob mir der Aufenthalt gefallen würde. Jetzt freue ich mich auf das nächste Projekt.“

European Heritage Volunteers: Jason Paulos
Jason Paulos privat

Sandra Nasser (27) aus Deutschland

„Ein Studienfreund hatte mir vom Projekt European Heritage Volunteers erzählt und ich war sofort begeistert. Es ist eine tolle Gelegenheit, Erfahrung zu sammeln. In zehn intensiven Tagen in Kastela an der Küste Kroatiens habe ich unheimlich viel gelernt. Ich habe auch viel über das Land erfahren und über die Kulturen der anderen internationalen Freiwilligen. Wir entwickelten dort Ideen für die Nutzung zweier Türme der historischen Stadtmauer. Daraus ist unter anderem ein Prototyp eines sogenannten Travel Passports entstanden, mit dem Einheimische wie Touristen dokumentieren können, welche Sehenswürdigkeiten sie schon besichtigt haben. Außerdem entwickelten wir eine Wanderroute und eine Karte, in der die Türme einbezogen sind. Ich denke mit einem sehr guten Gefühl an diese Zeit zurück. Das war mein erstes, aber sicher nicht mein letztes Projekt als Volunteer.“

European Heritage Volunteers: Sandra Nasser
Sandra Nasser privat

Mariana Lopes Martinho (25) aus Portugal

„Es sind viele kleine Erlebnisse, die meine Zeit als Volunteer in Deutschland unvergesslich machen. Handwerklich und konzeptionell habe ich unheimlich viel gelernt – zum Beispiel wie man eine stabile Steinmauer in einem Weinberg baut oder wie aus einem verwilderten Park ein kulturell anspruchsvoller Ort mit Erholungswert wird. Das erlebte ich zum Beispiel bei einem Projekt rund um das historische Hotel „Waldlust“ in Freudenstadt. Besonders beeindruckten mich die Begegnungen mit Einwohnern. Sie brachten einfach mal Kuchen vorbei– wunderbare Schwarzwälder Kirschtorte – und so ist man ins Gespräch gekommen. Ich habe meinen Aufenthalt sehr genossen, auch weil ich tief in die deutsche Sprache und Kultur eingetaucht bin.“

European Heritage Volunteers: Mariana Lopes Martinho
Mariana Lopes Martinho privat