Legenden zu Lebzeiten

Gerhard Richter zählt zu den weltweit bekanntesten Künstlern aus Deutschland. Aber es gibt noch mehr Stars der Kunstszene.

Gerhard Richter
Gerhard Richter dpa /Oliver Berg

Er mag keine Interviews und meidet auch sonst die Öffentlichkeit. Trotzdem gilt Gerhard Richter als einer der weltweit berühmtesten Künstler. Wie der am 9. Februar 90 Jahre alt gewordene, gebürtige Dresdner das macht? Er lässt sein Werk sprechen, das auf Auktionen regelmäßig Rekordpreise erzielt. So wurde etwa sein „Abstraktes Bild" von 1986 im Jahr 2015 für 41 Millionen Euro versteigert. Im „Kunstkompass“ der Zeitschrift Capital führt Richter seit 18 Jahren „die Liste der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler“ an. Dabei lässt sich sein Schaffen, das fotorealistische und abstrakte Gemälde genauso wie Skulpturen oder Kirchenfenster umfasst, nur schwer einordnen.

Aber vielleicht ist es gerade die Vielseitigkeit, die Richter zum erfolgreichsten deutschen Künstler macht. Auch seine ungewöhnliche, deutsch-deutsche Biografie könnte den Erfolg erklären. Denn geboren wurde Richter in der Zeit des Nationalsozialismus, seine künstlerische Ausbildung absolvierte er im DDR-Sozialismus und sein Erfolg stellte sich im Kapitalismus ein. Ähnliche Biografien finden sich bei Georg Baselitz und Günther Uecker, die wie Richter oder auch Anselm Kiefer zu den wichtigsten, noch lebenden deutschen Nachkriegskünstlern gehören.

Anne Imhof
Anne Imhof picture alliance / Bernd Kammerer

Frauen geben den Ton an

War die Nachkriegskunst noch weitgehend von Männern dominiert, so geben in den vergangenen Jahren immer mehr Frauen den Ton an. Eine von ihnen ist Anne Imhof, die 2017 den deutschen Pavillon auf der Biennale von Venedig gestaltete und dafür den Goldenen Löwen bekam. Den Preis erhielt die 1978 in Gießen geborene Künstlerin für eine vierstündige Performance. Dabei ist Imhof ausgebildete Malerin. Ihr Werk hat sie aber immer mehr in Richtung Installation und Performance erweitert. Das hat man auch bei ihren Ausstellungen 2019 in der Tate Modern in London und 2021 im Pariser Palais de Tokyo gesehen.

Wolfgang Tillmanns
Wolfgang Tillmanns picture alliance / GEORG HOCHMUTH

Fotografen in der Weltspitze

Zu den gefragtesten deutschen Künstlerinnen zählen auch Maria Eichhorn und Alicja Kwade. Die 1962 in Bamberg geborene Eichhorn gestaltete 2022 den deutschen Pavillon in Venedig. Die 1979 in Kattowitz geborene Kwade stellte 2019 auf der Dachterrasse des Metropolitan Museums in New York aus. Dass auch deutsche Fotografen international gefragt sind, zeigt das Beispiel Wolfgang Tillmans. Der 1968 in Remscheid geborenen Künstler, der sich seit Jahren mit Kollegen wie Andreas Gursky für ein Deutsches Fotoinstitut einsetzt, erhielt im Jahr 2000 als erster Fotograf den renommierten britischen  Turner Prize. Im kommenden Herbst zeigt das New Yorker Museum of Modern Art eine Tillmans-Ausstellung. 

© www.deutschland.de