TdT_120116_Kulturhauptstadt

Kulturhauptstadt Breslau

Breslau steht wie kaum ein anderer Ort für die wechselhaften deutsch-polnischen Beziehungen und ist 2016 eine der beiden Kulturhauptstädte Europas.

In den Osten und den Süden Europas richten sich dieses Jahr besonders viele Blicke: San Sebastián in Spanien und Breslau in Polen teilen sich 2016 den Titel „Kulturhauptstadt Europas“. Das Siegel wird von der Europäischen Union vergeben.

Gerade die Ereignisse in Breslau (polnisch: Wrocław) werden in Deutschland großes Interesse wecken – zumal sich 2016 die Unterzeichnung des Nachbarschaftsvertrages zwischen Polen und Deutschland zum 25. Mal jährt. Am 17. Juni 1991 unterschrieben Vertreter beider Staaten das Abkommen über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit. Es schuf die Grundlage für eine enge, umfassende Partnerschaft.

„Identität“ ist das bestimmende Thema

Wie wenige andere Orte steht Breslau für die bis dahin sehr wechselhaften Beziehungen zwischen Deutschland und Polen. Auch das Verhältnis der beiden Länder wird also zur Sprache kommen, wenn Breslau dieses Jahr zum Besuch einlädt: „Identität“ ist das bestimmende Thema des Kulturhauptstadt-Programms.

Nach dem Zweiten Weltkrieg musste Breslau diese Identität erst neu finden, musste die Stadt wieder aufgebaut werden. Die deutschen Bewohner der früheren Hauptstadt der preußischen Provinz Schlesien waren vertrieben worden oder geflohen. Die neuen Bewohner waren ihrerseits auf der Suche nach einer Heimat: Die meisten kamen aus den Gebieten, die nach dem Zweiten Weltkrieg zur Sowjetunion gehörten. Die Bevölkerung Breslaus wurde in jener Zeit nahezu komplett ausgetauscht.

„Es geht darum, wie aus einer deutschen Stadt eine polnische wurde“, sagte denn auch Stadtpräsident Rafał Dutkiewicz gegenüber der Berliner „tageszeitung“. „Und es geht um Europa, zu dem diese beiden Städte – die der Vergangenheit und die der Gegenwart – gehören.“ Nirgendwo sonst sei die europäische Identität so greifbar wie in Breslau.

www.wroclaw2016.pl

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