Die zwei Geschichten der Anu

Anuradha Doddaballapur hat in der Grundlagenforschung im Rhein-Main-Gebiet gearbeitet. Schlagzeilen macht die Inderin im Sport.

Anuradha Doddaballapur auf der Sportanlage in Frankfurt
Anuradha Doddaballapur auf der Sportanlage in Frankfurt Jonas Ratermann

Anuradha Doddaballapur kommt gerade von der Frankfurter Messe. Genauer gesagt von der  Achema, der Weltleitmesse für Chemie, Pharma, Biotechnologie, Energie und Umwelt. Sie hat dort Kontakte gepflegt und geknüpft, weil sie sich womöglich beruflich umorientieren will. Bis vor Kurzem hat die Postdoktorandin am Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim gearbeitet. Jetzt reizt sie ein Job in der Industrie.

Dafür bringt die Inderin, Jahrgang 1986, eigentlich alles mit. Geboren und aufgewachsen in Bangalore, ging sie nach dem Bachelor in Biotechnologie 2008 an die Newcastle University in England und machte den Master in Medical Genetics. 2011 kam sie nach Frankfurt, promovierte in Herz-Kreislauf-Biologie an der Goethe Universität und arbeitete sechs Jahre lang am Max-Planck-Institut. Jetzt lockt das Pharma-Cluster in Rhein-Main, das zuletzt durch den neuartigen mRNA-Impfstoff gegen Corona weltweit für Aufsehen sorgte.   

Man könnte die Geschichte von Anuradha Doddaballapur aber auch anders erzählen. Schon in ihrer Kindheit begeisterte sie sich für Cricket, spielte auf der Straße, ging mit 12 Jahren in einen Verein und spielte dann jahrelang in der Frauen-Mannschaft des Bundeslandes Karnataka. Ihre Cricket-Leidenschaft ließ sie auch in England und später in Deutschland nicht los. In Frankfurt spielte sie zunächst in einem Männer-Team, bevor sie sich entschloss, eine Frauenmannschaft aufzubauen.

Anfang August 2022 ist „Anu“, wie ihre Mitspielerinnen sie rufen, mit ihrem Team zum zweiten Mal in Folge Deutsche Meisterin geworden. Sie ist Spielerin, Trainerin und Managerin zugleich, darüber hinaus Kapitänin der Deutschen Nationalmannschaft und hält sogar einen Weltrekord. Als erste Frau im internationalen Cricket schaffte sie es, vier Schlagfrauen hintereinander herauszunehmen.

Da die Spiele mit sehr vielen Reisen verbunden sind, kennt sie Deutschland inzwischen sehr gut – und hat auch eine eigene Form der Integration gefunden: In ihrem Bundesliga-Team spielen Inder, Pakistani, Philippinen, Thais, Neuseeländer, Portugiesen und Deutsche. Ihr nächstes Ziel: Die Nationalmannschaft unter die Top20 zu bringen. Ambitioniert, denn derzeit rangiert das Team auf dem 33. Platz.

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