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Kein TikTok, nur Taue und Takelage

Mit der Statsraad Lehmkuhl läuft einer der eindrucksvollsten Traditionssegler zum Hamburger Hafengeburtstag ein. Für Marcus Seidl ist die Reise Rückkehr, für junge Trainees Abenteuer.

Ina BrzoskaIna Brzoska, 28.04.2026
Die Statsraad Lehmkuhl zählt zu den Höhepunkten des Hamburger Hafengeburtstags
Die Statsraad Lehmkuhl zählt zu den Höhepunkten des Hamburger Hafengeburtstags. © Statsraad Lehmkuhl

Wenn Kapitän Marcus Seidl in diesen Tagen mit der Statsraad Lehmkuhl die Elbe hinaufsegelt, taucht Hamburg zunächst nur als Silhouette am Horizont auf. Dann ziehen Containerterminals vorbei, Schlepper kreuzen den Kurs, Hafenkräne ragen über das Wasser. An den Ufern warten zum Hafengeburtstag Hunderttausende auf die Parade der Traditionsschiffe.

Für Seidl ist es ein besonderer Moment. „Es ist 52 Jahre her, seit ich das erste Mal mit dem Schiff meines Vaters hier war“, sagt er. „Ich bin gespannt zu sehen, wie sich der Hafen verändert hat.“ Mehr als 250 Schiffe aus aller Welt werden 2026 zum Hamburger Hafengeburtstag erwartet, der zuletzt rund 1,2 Millionen Besucher anzog.

Kapitän Marcus Seidl steuert die Statsraad Lehmkuhl seit mehr als 25 Jahren.
Kapitän Marcus Seidl steuert die Statsraad Lehmkuhl seit mehr als 25 Jahren. © Statsraad Lehmkuhl

Ein Dreimaster aus einer anderen Zeit

Mittendrin dieser imposante Dreimaster: 98 Meter lang, weiße Rahsegel, dunkler Rumpf. Das Schiff wirkt wie aus einer anderen Zeit. Seit mehr als hundert Jahren ist es, mit Unterbrechungen, auf den Weltmeeren unterwegs, heute als norwegisches Segelschulschiff, Forschungsschiff und Lernort auf See. Als Teil der internationalen One Ocean Expedition vermittelt die Statsraad Lehmkuhl zudem Wissen über Meeresschutz und nachhaltige Seefahrt.

Gebaut wurde die Lehmkuhl 1914 in Deutschland unter dem Namen Großherzog Friedrich August. Nach dem Ersten Weltkrieg kam sie nach Norwegen, Heimathafen ist heute Bergen. Sie zählt zu den größten aktiven Segelschulschiffen Europas. Wer hier an Bord geht, lernt Segel setzen, Knoten knüpfen, Wache stehen, vor allem aber, auf engstem Raum Verantwortung zu übernehmen.

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Marcus Seidl kennt dieses Leben von klein auf. Seine deutschen Eltern wanderten nach Kanada aus, er wurde in Vancouver geboren und verbrachte schon als Kind Monate auf See. „Ich konnte mir nie etwas anderes vorstellen, als auf großen Segelschiffen zu arbeiten“, sagt er. Seit mehr als 30 Jahren ist er Kapitän der Statsraad Lehmkuhl.

Segeltrainee Thomas, 22, stammt aus Norwegen.
Segeltrainee Thomas, 22, stammt aus Norwegen. © Statsraad Lehmkuhl

Sein Wissen gibt Seidl heute an junge Trainees weiter. Einer von ihnen ist Thomas, 22, aus Norwegen. Über TikTok wurde er auf die Statsraad Lehmkuhl aufmerksam und heuerte für die Reise an. An Bord gibt es oft keinen Handyempfang. Gerade das findet Thomas toll, auch weil er dort besser schläft als sonst. „Auf dem Schiff vergisst man die Welt. Das ist eine völlig neue Erfahrung“, sagt er.