Wie Algorithmen den Welthandel takten
Je instabiler der Welthandel wird, desto wichtiger wird Präzision im Hafen. Logistikforscher Carlos Jahn über Möglichkeiten und Grenzen von KI.
Herr Professor Jahn, Ihr Fokus liegt auf der maritimen Logistik. Welche Herausforderungen bringt die instabile Weltlage für diese Warenströme?
Die Taktung der maritimen Lieferketten ist in den vergangenen Jahren immer enger geworden. Da fallen Störungen wie die Sperrung der Straße von Hormus durch Iran schwer ins Gewicht und verursachen Umplanungen und Kosten, auch wenn sie nicht sofort zu einem Mangel an Waren führen. Am Fraunhofer-Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen in Hamburg legen wir den Fokus auf die Forschung zu Effizienz, Sicherheit und Nachhaltigkeit in der maritimen Logistik, um den Warentransport per Schiff zu optimieren.
An welchen Lösungen arbeitet Ihr Forschungszentrum mit Blick auf den Hamburger Hafen?
Wir beschäftigen uns zum einen mit zunehmender Automatisierung, auch durch die Nutzung Künstlicher Intelligenz. Es geht darum, möglichst genau zu prognostizieren, welche Flächen wann benötigt werden, für anlandende Schiffe, aber auch für LKW, die den Weitertransport der Waren übernehmen. Mit Automatisierung und KI kann die Vernetzung der einzelnen Lieferbereiche optimiert werden. Wir haben zum Beispiel ein Kamerasystem entwickelt, das defekte Container schnell identifiziert und dabei hilft, diese Schwachstellen im System zu entfernen. Andere technische Lösungen betreffen die Nutzung von Robotern in für Menschen potenziell gefährlichen Arbeitsbereichen oder den optimierten Einsatz von Personal. Unser Projekt „PortConnect“ ermöglicht beispielsweise KI-gestützte Planung der Schichten von Hafenarbeitern, bis hin zum flexiblen Schichttausch per App.
Wie wichtig bleibt angesichts dieser Innovationen der „menschliche Faktor“?
Es ist zwar fantastisch, was die KI dank großer Datenmengen leisten kann, aber nicht alles lässt sich mit Algorithmen lösen. Die Zusammenarbeit in einem Hafen erfordert zahlreiche wirtschaftliche, politische und auch soziale Entscheidungen. Der Mensch kann die Konsequenzen für die einzelnen Bereiche und ihre Bedeutung für das Gesamtsystem des Hafens besser abwägen. Zudem hilft menschliches Gespür dabei, auf Ausnahmesituationen zu reagieren, von denen die KI aufgrund mangelnder Daten schnell überfordert wird.