„Ugander mögen kein Fly-in-fly-out“

Joern Seitz lebt seit 20 Jahren im Ausland. Was der Deutsche in Taiwan für Afrika gelernt hat, sagt er hier.

Großprojekt Hängebrücke: Joern Seitz (re.) in Mosambik
Großprojekt Hängebrücke: Joern Seitz (re.) in Mosambik

Bis zum Jahr 2000 lebte Joern Seitz in Deutschland. Dann schickte ihn sein Arbeitgeber nach Taiwan – und er fand Gefallen an dem Auslandsaufenthalt. Auf vier Jahre in Taiwan folgten zehn Jahre in Nigeria und vier Jahre in Mosambik. Seit einem Jahr lebt und arbeitet der Bauingenieur nun in Uganda.

Herr Seitz, wo erreichen wir Sie gerade?

In Kampala, der Hauptstadt von Uganda. Der Präsident hält gleich eine Rede zur Corona-Epidemie. Aber jetzt haben wir noch etwas Zeit. Legen Sie los!

Woran arbeiten Sie gerade?

Ich bin im Auftrag von Gauff Engineering in Uganda und verantworte als Projektdirektor ein großes Hafenprojekt in Kampala. Gauff Engineering ist ein beratendes Ingenieurbüro, das in Kampala die Realisierung des Bukasa Ports verantwortet, eins der drei größten Infrastrukturprojekte des Landes. Mein Job ist es, die Vorbereitungen für den Bau zu treffen und zwischen der Regierung und den Firmen zu vermitteln.

Warum braucht es dafür einen Deutschen?

Die Finanzierung kommt zum Teil aus Deutschland und wir unterstützen die ugandische Seite mit unserem Know-how bei diesem großen Projekt. Gauff Engineering mit Hauptsitz in Nürnberg hat jahrzehntelange Erfahrung in der Umsetzung komplexer Infrastrukturprojekte vor allem in Afrika.

Und wofür braucht Uganda einen neuen Hafen?

Der Victoriasee ist der zweitgrößte Binnensee der Welt und Teil der Staaten Tansania, Kenia und Uganda. Die Binnenschifffahrt wurde lange vernachlässigt. Aber nun hat man sich besonnen und erkannt, dass der Transport zwischen den Ländern auf See viel billiger und schneller ist als auf der Straße. Der neue Hafen wird nicht nur ein Motor für die Wirtschaft Ugandas sein, sondern wegweisend für die ganze Entwicklung Ostafrikas.

In Mosambik kam mir zugute, dass ich in Taiwan ein paar Brocken Chinesisch gelernt hatte und mit Stäbchen essen kann.

Joern Seitz, Projektdirektor

Wie müssen wir uns Ihren Alltag vorstellen, pendeln Sie?

Nein, ich lebe in Kampala. Die Ugander mögen kein „Fly-in-fly-out“. Man muss gerade auch für den Kontakt zum Kunden möglichst permanent vor Ort präsent sein. Aber das ist sehr angenehm. Ich lebe mitten in der Stadt und dadurch, dass Kampala auf fast 1.200 Meter Höhe liegt, sind die Temperaturen auch moderat. Es weht immer ein leichter Wind vom See. Das Land ist politisch stabil, die Stadt ist grün, die Menschen sind offen und freundlich und es gibt hervorragende Restaurants mit internationaler Küche. Uganda macht sich, ich mag es.

Und wie werden Sie in Uganda wahrgenommen?

Es gibt nicht viele Deutsche hier. Aber die Schwester des Präsidenten ist mit einem Deutschen verheiratet. Auch deshalb, glaube ich, werden wir sehr positiv wahrgenommen.

Sie sind jetzt 20 Jahre im Ausland. Was war Ihr eindrucksvollstes Erlebnis?

Wir haben mit Gauff Engineering die größte Hängebrücke Afrikas in Mosambik gebaut, als Subunternehmer der chinesischen CRBC. Da kam mir zugute, dass ich in Taiwan ein paar Brocken Chinesisch gelernt hatte und mit Stäbchen essen kann. In Taiwan war es die Hochgeschwindigkeitsstrecke quer durch das Land – ein einmaliges Erlebnis dort zu leben und zu arbeiten.

Und wie geht es weiter, wenn der Hafen in Uganda fertig ist?

Das Projekt wird noch drei Jahre laufen. Und dann schauen wir mal.

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