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Einfach auf die Menschen zugehen

In Berlin sind „Kiezmütter“ unterwegs: Sie unterstützen Migrantenfamilien – und tun dabei auch sich selbst etwas Gutes.

Deutschland. In dieser Familie gibt es viele Mütter – mehr als 500, um genau zu sein. So viele Frauen hat die Initiative „Kiezmütter“ seit 2006 ausgebildet. Die Frauen unterstützen Zuwanderer in Berlin bei der Integration. Sie helfen ihnen, ihre Kinder in der Schule anzumelden, Ärzte zu finden, Papierkram zu erledigen. Und sie stärken sich gegenseitig. „Wir sind eine große Familie“, sagt Shiva Saber Fattahy, von der die Idee stammt.

Angefangen hat alles im Berliner Bezirk Mitte, im Ortsteil Moabit. Dort leben besonders viele Menschen mit Migrationshintergrund und Flüchtlinge. Oft haben sie Schwierigkeiten, ihren Alltag zu organisieren – weil sie die Angebote und Abläufe nicht kennen und oft auch, weil sie nicht gut Deutsch können. Hier kommen die Kiezmütter ins Spiel. Sie sprechen die Familien an und gewinnen oft schnell deren Vertrauen. Auch sie selbst haben häufig Migrationserfahrung, kommen aus denselben Ländern wie die Menschen, die sie betreuen – aus Iran, Afghanistan, Syrien, dem Irak oder Sri Lanka. „Alle Sprachen, die in Moabit gesprochen werden, sind auch bei den Kiezmüttern vertreten“, sagt Saber Fattahy, die aus Iran nach Deutschland gekommen ist.

Ausbildung mit Computerkurs

Die Kiezmütter warten nicht darauf, dass die Familien zu ihnen kommen, sondern gehen auf sie zu. Werden sie immer mit offenen Armen empfangen? Die Männer seien anfangs manchmal skeptisch, wenn eine Kiezmutter sich um die Familie bemüht, sagt Saber Fattahy. „Meistens merken sie aber schnell, dass wir wirklich nur helfen wollen und keinerlei politische oder religiöse Agenda haben.“

© Diakoniegemeinschaft Bethania gGmbH

Inzwischen sind Kiezmütter auch in anderen Berliner Ortsteilen unterwegs. Eine Stiftung und die Bundesagentur für Arbeit unterstützen die Initiative, so dass die Kiezmütter für ihre Arbeit auch einen Lohn bekommen können. Vorher haben sie eine sechs- bis neunmonatige Ausbildung gemacht. Sie umfasst Sprachunterricht, Computerkurs, Wissen über Erziehung und Ernährung sowie einen Überblick über die Angebote der Stadt, die sie später an die Familien weitergeben. Zur Qualifizierung als Kiezmutter gehört außerdem ein vierwöchiges Praktikum, etwa in einem Kindergarten oder einer Arztpraxis.

„Die Arbeit ist für die Frauen ein Gewinn“, sagt Saber Fattahy. Oft fänden sie dadurch neue Wege für sich selbst. Die Initiative will deshalb weiterhin jedes Jahr 20 bis 40 Frauen schulen. Saber Fattahy hat einen Traum: Kiezmutter soll eines Tages ein richtiger, anerkannter Beruf sein.

© www.deutschland.de

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