Die Besseresser

Regional und international, Veganes und Burger – beim Essen liegen Gegensätze im Trend. Stimmen soll die Qualität und am schönsten ist es, wenn andere kochen.

Ein deutsches Sprichwort sagt: Der Mensch ist, was er isst. Wenn das stimmt, haben wir es in Deutschland mit ziemlich multiplen Persönlichkeiten zu tun. Noch nie gab es so viele und so unterschiedliche Ernährungsweisen und vor allem: Selten hatten sie so viel Moral, Politik und Gesundheitsbewusstsein im Gepäck. Zutaten, die vor allem die Mega­trends Vegetarismus und Veganismus begleiten. In Deutschland ernähren sich 7,8 Millionen Menschen vegetarisch und 900 000 Menschen vegan. Täglich kommen nach Schätzungen des Vegetarierbundes 2000 Vegetarier und 200 Veganer hinzu. Schnitzel und Braten bekommen daher auf der Speisekarte zunehmend Konkurrenz.

Längst führt jeder Supermarkt selbstverständlich Produkte, für die man noch vor einigen Jahren weite Wege in ausgewählte Bioläden in Kauf nehmen musste. Allein mit vegetarisch-veganen Wurst- und Fleischalternativen brachte es der Lebensmitteleinzelhandel 2015 auf einen Umsatz von über 150 Millionen Euro. Aber kein Ex­trem ohne Gegenwind: Auch Fleisch ist wieder im Kommen. „Die einen probieren es mit Askese, während der Nachbar die Schweinehälften in den Smoker packt. Das ist bezeichnend für unsere Zeit“, fasst der Kulturwissenschaftler Markus Schreckhaas das Yin und Yang der deutschen ­Ernährungslandschaft zusammen. Einfach so ein Würstchen grillen? Das war einmal. Heute bestreicht man Filets stundenlang mit einem Echthaarpinsel und einer Schwarzbier-Senf-Marinade. Nicht nur das Barbecue ist im Begriff, in die höheren Gourmetkreise aufzusteigen. Auch der Burger wird zum Feinschmeckergericht. „Fast Food entwickelt sich zum Fast Good“, sagt Trendforscherin Hanni Rützler. „Es geht dabei um Frische – frische Säfte, frische Salate und ein neues Verständnis für regionale Qualität.“

Regional und bio orientierte Fleischeslust und vegan de luxe – beides findet sich in gleichermaßen friedlicher wie köstlicher Koexistenz auf den Streetfoodmarkets wie etwa in der „Markthalle Neun“ in Berlin-Kreuzberg. Dort findet sich auch eine der rund 680 deutschen Kleinstbrauereien, die gerade mit ihrem Craft Beer dem deutschen Biermarkt zu neuem Aufschwung verhelfen. Sehr angesagt auch: Foodtrucks. Rund 1000 dieser individuell gestalteten, rollenden Küchen sind in Deutschland unterwegs. Auf ihren Angebotstafeln findet sich Bewährtes wie etwa Burger in allen denkbaren Erscheinungsformen, aber auch traditionell regionale Kost wie Allgäuer Käse­spätzle oder Internationales: brasilianische Hähnchenkroketten oder die südafrikanische Spezialität Bunny Chow, Curry in Weißbrot.

Bei aller kulinarischen Vielfalt gibt es auch gemeinsame Nenner: beste Qualität, große und trotzdem unprätentiöse Kochkunst und dass das mobile Essen wie gerufen kommt. Denn die Deutschen ernähren sich zunehmend außer Haus. Rund drei Milliarden Mahlzeiten weniger als noch vor einem Jahr wurden 2015 zu Hause verzehrt. Stattdessen geht man auf die Straße – um sich dort gleichzeitig die Region und die Welt zu „ersnacken“, allem Neuen aufgeschlossen und sehr froh darüber, dass ein anderer dafür am Herd gestanden hat. ▪