Heavy-Metal-Festival in Wacken

Bei dem Wacken Open Air in Schleswig-Holstein prallen jedes Jahr Welten aufeinander – das macht seinen Charme aus.

mc_the_snapshot/Flickr - Wacken Open Air
mc_the_snapshot/Flickr - Wacken Open Air mc_the_snapshot/Flickr - Wacken Open Air

Sie könnten unterschiedlicher kaum sein: Da ist einerseits Wacken, ein Dorf mit knapp 2.000 Einwohnern im ländlichen Schleswig-Holstein. Wälder und Seen prägen das Bild. Und da sind auf der anderen Seite rund 75.000, überwiegend junge Fans lauter Heavy-Metal-Musik, die dort am ersten Augustwochenende wieder anreisen werden. Seit nunmehr 25 Jahren prallen in Wacken Welten aufeinander – doch der Charme des Festivals besteht gerade darin, dass Dorfbewohner und Musikfans inzwischen eine besondere Koexistenz eingegangen sind.

Auf schöne Weise zeigte das die in Deutschland lebende, südkoreanische Filmemacherin Sung-Hyung Cho in ihrer Dokumentation „Full Metal Village“. Örtliche Blaskapelle und Schwermetallmusiker spielten darin Seite an Seite. Der Film wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet und trug maßgeblich dazu bei, dass „Wacken“ Menschen in ganz Deutschland ein Begriff ist – auch solchen, die mit Heavy Metal fremdeln.

Perfekte Vermarktung bis hin zu Heavy Metal-Kreuzfahrten

Darüber hinaus steht der Name für ein ungemein erfolgreiches Festivalgeschäft. Die Besucherzahlen sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, die Karten für 2015 waren binnen zwölf Stunden ausverkauft. Rund ein Drittel der Gäste und die meisten Bands kommen aus dem Ausland. Und das ist nur der Kern des Ganzen. Die Organisatoren richten kleinere Ableger des Festivals an anderen Orten aus, es gibt eine eigene Biersorte „Wacken Premium Pils“ und eine große Palette an Merchandising-Produkten mit dem Schriftzug „W:O:A“. Seit 2013 kann man bei den Machern zudem „Full Metal Cruises“ buchen: Kreuzfahrten für Urlauber mit Hang zu Heavy Metal.

„Wacken“ ist ein scheinbar unverrückbarer Fels in der deutschen Festivallandschaft. Die ist umfangreich und das Angebot breit gefächert, doch nicht alle Treffen haben eine solche Kontinuität wie jenes in Schleswig-Holstein. Gerade kleinere Festivals müssen fortwährend um ihre Existenz kämpfen. Und auch bei den großen läuft nicht immer alles rund. Ein weiterer Klassiker, „Rock am Ring“, musste sich im 30. Jahr seines Bestehens eine neue Heimat suchen: 2015 fand die mehrtägige Party erstmals auf einem ehemaligen Bundeswehrflugplatz in Mendig in Rheinland-Pfalz statt. Unstimmigkeiten zwischen dem Veranstalter des Festivals und dem Betreiber des bisherigen Austragungsortes Nürburgring hatten den Umzug nötig gemacht. Die Festivalgänger störte das offenbar nicht: Mehr als 90.000 kamen – Rekord.  

Wacken Open Air vom 30. Juli bis zum 1. August 2015

www.wacken.com

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