„Wir können den Unterschied machen“

Kinderkrankenschwester Heidi Anguria arbeitet seit 30 Jahren für Ärzte ohne Grenzen in aller Welt.

Heidi Anguria bei der Arbeit in Süd-Sudan.
Heidi Anguria bei der Arbeit in Süd-Sudan. Ärzte ohne Grenzen

Menschen medizinisch helfen, die durch Konflikte, Epidemien oder Naturkatastrophen in Not sind: Dieser Aufgabe stellen sich jedes Jahr etwa 2000 internationale Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen und Psychologen, Krankenschwestern und Pfleger im Auftrag von „Médecins Sans Frontières“ (Ärzte ohne Grenzen“) in Krisengebieten auf der ganzen Welt. Eine von ihnen ist Heidi Anguria, Kinderkrankenschwester aus Lübeck. Deutschland.de hat mir ihr gesprochen.

„Ich bin schon immer gern gereist, habe fremde Länder und Kulturen kennengelernt, vor allem in Afrika“, erzählt Heidi Anguria. „Dann habe ich mir gedacht, es wäre doch schön, dort auch mal zu arbeiten.“ Sie ist schon seit 1989 bei der Organisation – und damit länger als die deutsche Sektion überhaupt existiert.

Vor 30 Jahren hatte die heute 62-Jährige ihren ersten Einsatz in Uganda. Seither war sie unter anderem in Nigeria und Syrien, in Bangladesch und allein achtmal im Südsudan. „Dort sind wir mit einer mobilen Hilfsstation in die Dörfer und die kleinen Städte gefahren“, erzählt sie.

Was für sie zählt: „Wir können mit unserer Arbeit wirklich einen Unterschied machen. In Afrika sterben Kinder an Durchfall, Lungenentzündung und Mangelernährung – dagegen können wir etwas tun.“ Die Dankbarkeit der Menschen vor Ort wiege auf, was sie auch erfahre: „Man hat das Gefühl, auf der Welt wird es immer schlimmer.“

Kinderkrankenschwester im Einsatz: Heidi Anguria in Nigeria.
Kinderkrankenschwester im Einsatz: Heidi Anguria in Nigeria. Ärzte ohne Grenzen

So war sie auf einem Flüchtlingsschiff im Mittelmeer unterwegs, hat die aus den Booten geretteten Menschen versorgt – und ihnen zugehört. Denn zu den Aufgaben von „Médecins Sans Frontières“ gehört auch die Zeugenschaft der Helfenden: Publik machen, wo auf der Welt militärische, politische und humanitäre Missstände herrschen und Hilfe notwendig ist.

„In den meisten Fällen werden wir als Gesprächspartner akzeptiert“, erzählt Heidi Anguria. Ich habe in Bangladesch in den größten Flüchtlingslagern der Welt auch mit Imamen über die Impfprogramme gesprochen – das ist wichtig, weil sie dort gesellschaftliche Multiplikatoren sind.“

Anfangs hat Heidi Anguria sich für ihre Auslandseinsätze vom Uni-Klinikum Lübeck freistellen lassen – für die Dauer der Einsätze zahlt „Ärzte ohne Grenzen“ ihr das Gehalt weiter. Mittlerweile arbeitet sie bei einer Zeitarbeitsfirma für Pflegekräfte und ist damit flexibler. Ende Januar 2020 geht es für sie vermutlich in den nächsten Einsatz, wohin wissen heute weder sie noch „Médecins Sans Frontières“. Sicher ist: Es wird dorthin gehen, wo die Not groß ist.

© www.deutschland.de

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