„Frieden funktioniert nur über Dialog“
Der Deutsche Meinolf Schlotmann leitet die Polizeikomponente der UN-Mission UNMISS in Südsudan – für Schutz, Sicherheit und Vertrauen.
„Wenn man die Situation vor Ort sieht, lernt man Demut. Denn in Südsudan geht es ums nackte Überleben, während wir uns in Mitteleuropa oft mit Luxusproblemen beschäftigen.“ Meinolf Schlotmann sagt das ohne Pathos – er weiß, wovon er spricht. Seit August 2025 ist er Police Commissioner der UN-Friedensmission UNMISS in Südsudan. Der 61-Jährige koordiniert rund 1.500 Polizistinnen und Polizisten aus zahlreichen Nationen, die lokale Polizeikräfte beraten, trainieren und im Alltag bei ihrer Arbeit unterstützen. „Wir versuchen, in der katastrophalen humanitären Lage bestmöglich zu helfen“, sagt Schlotmann.
Großes Leid in der Zivilbevölkerung
Seit der Unabhängigkeit 2011 ist Südsudan von wiederkehrender Gewalt und politischer Instabilität geprägt. Im Zentrum steht der Machtkonflikt zwischen den Lagern um Präsident Salva Kiir und Oppositionsführer Riek Machar. Hinzu kommen lokale, bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen Gemeinschaften und Milizen – meist geht es um Land, Einfluss und Ressourcen. Das Friedensabkommen von 2018 sollte den Bürgerkrieg beenden und Reformen anstoßen. Doch die Umsetzung bleibt brüchig, und immer wieder flammen Kämpfe auf. „Für die Zivilbevölkerung bedeutet all das großes Leid – Gewalt, Vertreibung, Unsicherheit und Hunger. Als Familienvater berührt mich vor allem das Schicksal der Kinder“, sagt Schlotmann.
Polizeiarbeit, die Nähe schafft
Das UNMISS-Mandat umfasst vier Säulen: Schutz der Zivilbevölkerung, Sicherung humanitärer Hilfe, Unterstützung des Friedensprozesses und Förderung der Menschenrechte. Deutschland ist seit 2011 auf allen Ebenen – zivil, militärisch und polizeilich – aktiv an der UNMISS-Friedensmission beteiligt. „Polizeiarbeit ist dabei die Brücke zwischen unserem Schutzauftrag und dem Vertrauen, das wir uns tagtäglich im direkten Austausch mit den Menschen erarbeiten“, sagt Schlotmann.
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Einverständniserklärung öffnenDer Einsatz ist fordernd: „Das geht schon beim Essen und beim Klima los, es gibt vielfältige Gesundheitsrisiken – und natürlich kulturelle Unterschiede“, sagt Schlotmann, der langjährige Erfahrung aus Missionen in Somalia, Mali, Afghanistan, Darfur und im Kosovo mitbringt. Doch gerade darin sieht er eine Chance: „Die unterschiedlichen Perspektiven sind sehr spannend, wir lernen viel voneinander und finden gemeinsam Lösungen.“
Die zunehmende Abkehr vom Multilateralismus und die Finanzkrise der UN bereiten Schlotmann große Sorgen. Auch im Blick auf die Zukunft Südsudans ist der Police Commissioner überzeugt: „Frieden funktioniert nur über Dialog. Das ist mühsam, aber alternativlos.“